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Vielleicht lässt sich der Generalbundesanwalt auf einen Deal ein.

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Stephan E.s widerrufenes Geständnis ist eine Nachricht an rechtsextreme Kreise

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Stephan E. hat in seinem Mitteilungsdrang genügend Beweise offenbart, als dass der Widerruf an der Beweislage etwas ändern würde. Aber das Verfahren wird komplizierter und langwieriger.

Der mutmaßliche Lübcke-Mörder Stephan E. hat sein Geständnis widerrufen. Außerdem hat der 45-Jährige mit Frank Hannig einen neuen Anwalt. Neuer Anwalt, neue Strategie. Das ist nicht ungewöhnlich, verdient aber einen genaueren Blick. E.s erster Anwalt Dirk Waldschmidt ist in der NPD aktiv, er vertritt fast ausschließlich Mandanten aus der Szene.

Sein nun widerrufenes Geständnis ist zu verstehen als Nachricht an die rechtsextremen Kreise, denen es zwei Botschaften sandte. Stephan E. zeigte sich als derjenige, der Worten Taten folgen lässt, er fütterte seine Sympathisanten mit Details zu Planung und Ausführung. Und zugleich zeigte er ihnen, dass er bereit ist, als Einzelner verurteilt zu werden und nichts über etwaige Verbindungen und Netzwerke preisgibt.

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Sein neuer Anwalt Hannig ist zwar in Pegida-Kreisen unterwegs, ist aber kein Szene-Mann, sondern ein gewiefter Verteidiger. Er weiß auch, dass Stephan E. in seinem Mitteilungsdrang genügend Beweise offenbart hat, als dass der Widerruf an der Beweislage etwas ändern würde. Aber das Verfahren wird komplizierter und langwieriger – und vielleicht lässt sich der Generalbundesanwalt auf einen Deal ein, um das zu verhindern. Zu verlieren hat der mutmaßliche Lübcke-Mörder damit nichts.

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