Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Papst Franziskus hier auf seiner USA-Reise im September dieses Jahres.
+
Papst Franziskus hier auf seiner USA-Reise im September dieses Jahres.

Synode der katholischen Kirche

Weg von der Weltfremdheit?

  • Joachim Frank
    VonJoachim Frank
    schließen

Das Ergebnis der Synode zeigt: Die Bischöfe haben den Papst mit seinem Erneuerungsprogramm weitgehend alleingelassen. Franziskus muss sich nun mit dem Kirchenvolk verbünden. Ein Meinungsbeitrag

Wenn das die Mama wüsste! Oder der Präsident, der Kaiser – oder der Papst. Kinder, Staatsbürger, Katholiken, die so reden, erwarten Hilfe von oben. Eine höhere Autorität, die es gut mit uns meint, soll in Ordnung bringen, was aus dem Ruder gelaufen oder schiefgegangen ist.

In der katholischen Kirche liegt vieles im Argen. Das haben Katholiken aller Kontinente geantwortet auf die Frage, was sie von der Lehre ihrer Kirche zu Ehe, Familie, Sexualmoral halten und ob sie sich danach richten. Ergebnis: Die Kluft zwischen Lehre und Leben klafft immer weiter auseinander. Wenn das der Papst wüsste? Er weiß es. Er selbst hat die Umfrage in Auftrag gegeben, um daraus auf der jetzt beendeten Synode gemeinsam mit den Kardinälen und Bischöfen die rechten Schlüsse zu ziehen.

Drei Wochen haben sie dazu in Rom getagt. Heute, nach Abschluss der Synode, weiß der Papst noch etwas – und mit ihm alle Welt: Ohne ihn tut sich nichts in seiner Kirche. Zwar hatten die Bischöfe einen klaren Reformauftrag, sowohl von unten, aus dem Kirchenvolk, als auch von oben, vom Papst mit seiner ständig wiederholten Rede von einer „Revolution der Barmherzigkeit“. Aber statt diese Bewegung aufzunehmen, haben sie sich verhalten wie ein fußkranker Bergsteiger, der sein Handicap vor den Kameraden verbirgt, indem er ihnen erklärt, dass ihre Eile falsch, riskant und gefährlich sei.

So ist die Revolution in Rom ausgefallen. Die Revolutionäre sind genügsam geworden. Für sie ist es schon ein Gewinn, dass die Synode in der strittigen Frage der Zulassung wiederverheirateter Geschiedener nicht völlig dichtgemacht und pastorale Lösungen im Einzelfall nicht kategorisch ausgeschlossen hat. Aber mit welch einem kirchenamtlich verquasten Kauderwelsch zwischen „Wahrheit und Liebe“! Ob die Synodalen wenigstens ein bisschen peinlich von dem berührt waren, was ihnen der Papst in seiner Schlussansprache mitgegeben hat? Die Schönheit der christlichen Botschaft, erklärte er, werde zuweilen „vom Rost einer archaischen und schlicht unverständlichen Sprache verdeckt“.

Dabei wäre es eine Selbsttäuschung, zu glauben, dass die Krise der Kirche in erster Linie auf einem Vermittlungsproblem beruht. Diese These vertreten speziell jene Hierarchen, die in Fragen der Lehre und Moral halsstarrig am Bestehenden festhalten wollen und dafür oft eine erschreckend schlichte Steinzeit-Theologie bemühen.

Gelegenheit zur Barmherzigkeit

Bestes Beispiel: die Ablehnung der Homosexualität. Was hierzu auf der Synode von Teilnehmern aus Afrika zu hören war, war dumpfeste Homophobie unter einer spirituellen Tarnkappe. Diese geistlichen Herren sind in Wahrheit im Bund mit der von ihnen verteufelten „Welt“: Sie machen sich lieber gemein mit einer rückständigen und unreflektierten Umgebungskultur, als dem aufklärerischen, avantgardistischen Impuls der christlichen Botschaft zu folgen.

Wenn es daher überhaupt einen Erfolg der Synode zu vermelden gibt, dann ist es die Anerkennung der soziokulturellen Unterschiede in den verschiedenen Weltgegenden, die dezentrale (synodale) Lösungen verlangen. Darauf kann der Papst aufbauen. Dass er den Ortskirchen mehr Spielräume geben möchte, hat er den Bischöfen vorige Woche unmissverständlich klargemacht, als er das „synodale Prinzip“ nicht etwa als sein Regierungsprogramm, sondern als den Willen Gottes für die Kirche im dritten Jahrtausend ausgegeben hat.

In seiner Schlussansprache am Samstag hat Franziskus konkretisiert: Eine „Inkulturation“ des Glaubens schwäche nicht dessen Werte, sondern zeige deren Stärke und mache sie authentisch. Die Kirche müsse stets menschlich und barmherzig handeln. Am Sonntag fügte Franziskus hinzu: „Elend und Konflikt sind für Gott Gelegenheiten zur Barmherzigkeit. Heute ist die Zeit der Barmherzigkeit.“

Kampf um eine gerechtere Welt

Für Franziskus’ Revolution der Barmherzigkeit ist es nach dieser Synode nicht zu spät. Aber sie muss offenbar von oben kommen und sich mit denen an der Basis verbinden, die von der Kirche überhaupt noch etwas erwarten: Glasnost, Perestroika auf Katholisch – und Franziskus der Gorbatschow im Vatikan, dem die Zukunft seiner Kirche und ihre Anschlussfähigkeit an die Wirklichkeit von heute wichtiger ist als das Beharren einer oftmals gestrigen Nomenklatura.

Es gehört zu den Paradoxien der Kirche, dass sie tatsächlich etwas beizutragen hätte im Kampf für eine bessere, gerechtere, menschlichere Welt. Aber „man erteilt einer Zeit keine Lektionen, man hat ihr nichts mitzuteilen, man kommuniziert nicht mit ihr, wenn man ihre Standards krass unterbietet“, sagt der Frankfurter Theologe Knut Wenzel. Ob die Kirche ihrer eigenen Weltfremdheit, ja Lebensfeindlichkeit entkommt, die ihr die deutschen Katholiken vor der Synode in Sachen Ehe, Familie und Sexualmoral bescheinigt haben, und ob sie stattdessen neu an die Seite der Menschen tritt, das entscheidet sich jedenfalls nicht in deren Schlafzimmern, sondern im täglichen Leben, an ihren Arbeitsplätzen und auf den Straßen und Plätzen dieser Welt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare