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Dient als Trost im Kampf gegen die starken Männer: Conchita Wurst.
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Dient als Trost im Kampf gegen die starken Männer: Conchita Wurst.

Kolumne

Die Welt wimmelt von echten Kerlen

  • VonTom Schimmeck
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Nationalismus, Machismo & Co. waren gestern? Mitnichten. Der „starke Mann“ ist wieder da und erlebt ein globales Comeback. Als Trost bleibt Conquita -Wurst.

Noch einer! Auch die größte Demokratie der Welt, klingeln die News, habe jetzt einen „neuen starken Mann“ gewählt. Noch so ein wirtschaftsfreundliches (Codewort für: hautnah mit extrem reichen Leuten), nationalistisch tönendes Alphatier. Narendra Modi, stand irgendwo, verströme eine „Aura der Stärke und Entschlossenheit“. Oha.

Ähnliches wird ja von Shinzo „Japan ist wieder da“ Abe, vom zunehmend zornigen Recep Tayyip Erdogan, vom Überungarn Viktor Orbán berichtet. In Ägypten geht gerade Ex-General Abdel Fattah al-Sisi an den Start. In Südafrika, das sich seit 20 Jahren als „nicht-sexistisch“ definiert, wurde just Jacob Zuma wiedergewählt, der gern den Zulu-Kerl heraushängen lässt und seine vier Frauen paradiert. Auch schon länger im Angebot: Israels Benjamin Netanjahu, Kambodschas Hun Sen (rund 30 Jahre dabei) etc.. Die Welt wimmelt wieder von echten Kerlen. Und ihren Kindern: In Südkorea herrscht die Tochter des Ur-Autokraten Park Chung-hee. Und nördlich Kim III.

Pokale und feenartige Frauen

Wer – wie ich . – irgendwo im tieferen Innern die Hoffnung pflegte, die Zeit der Potentaten, Caudillos und Führer sei passé, die Weltmenschheit schreite kulturell voran, werde laaaangsam, aber stetig offener, freier, erleuchteter, reagiert irritiert und nervös ob dieses globalen Comebacks des „starken Mannes“. Nationalismus, Machismo und Co. waren gestern? Mitnichten. Fahnenschwenken, Raketenparaden, geldpotente Kumpanei, kraftstrotzendes Posieren – alles wieder da.

Von überall werden wieder „starke Männer“ vermeldet, selbst bei Vattenfall und dem DGB, bei Credit Suisse und Dynamo Dresden. Gefragt ist der Autokrat, der durchgreift und Zucht & Ordnung schafft, die Zügel in der Hand hält und alle Nasen ruckzuck nach vorn ausrichtet. Narendra Modi, erzählt sein Bruder, habe den Drill beim Hindu-Freiwilligenkorps geliebt: „Er war beeindruckt, dass dort immer einer die Befehle gab und alle dem Kommando folgen.“ Jawohl.

Das Dufthaus Paco Rabanne bewirbt derzeit sein neues Männerparfum „Invictus“: Ein Kerl mit glatt-nacktem Muskelkörper, Tattoos und dezent getrimmtem Vollbart. Oben rechts schultert er einen funkelnden Siegerpokal, untenrum wabern feenartige Frauen. Das Ganze wirkt wie ein ironischer Abschiedsgruß an ein antiquiertes, längst ad absurdum geführtes, allmählich ins Lächerliche abgleitende Konzept vom starken Mann, vom ganzen Kerl, vom tollen Hecht. Weiß doch jeder, dass dieses Bild oben und unten nicht stimmt. Dass die nachts im Bett alle weinen und Pillen nehmen gegen die Angst!

Nein. Weiß nicht jeder. Aus der Ostukraine wird der schöne Satz zitiert: „Putin ist ein starker Mann. Der wird uns helfen.“ Wladimir Putin, die Vaterfigur all der neuen Muskelspieler, weckt selbst in Deutschland unheimliche Begeisterung. Womit wir zu Facebook umschalten, wo die Ängste und Sehnsüchte vieler zu solchen Trugbildern vergoren werden. Wo uns die Sehnsucht nach tollen Typen mit voller Wucht entgegenschlägt. Auf Fan-Seiten wie „I want a President like Putin“, die uns einen brutalen Einblick liefern in die wirre Welt der Anti-Europäer, Verschwörungstheoretiker, der „stolzen Deutschen“ und Conquita-Hasser. Conquita Wurst! Mein großer Trost im Kampf gegen starke Männer.

Tom Schimmeck ist Autor.

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