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Simone Lange und Alexander Ahrens wollen die SPD in Zukunft führen.

SPD-Vorsitz

Simone Lange und Alexander Ahrens: Im Zentrum steht das Bildungssystem

Simone Lange und Alexander Ahrens streben in den SPD-Vorsitz. Sie wünschen sich in der FR von der Sozialdemokratie, dass sie mutiger, sozialer und demokratischer wird.

Sehr viele Menschen in unserem Land sind zornig. Sie haben nicht mehr das Gefühl, dass „die da oben“ in Berlin ihre Sorgen verstehen. Sie haben nicht mehr den Eindruck, dass sie von der Politik ernst genommen werden. Und sie haben vor allem nicht mehr die Überzeugung, dass der Politikbetrieb die richtigen Lösungen für die großen Probleme der heutigen Zeit liefert, die es ohne jeden Zweifel gibt.

Es ist fast unglaublich, dass fast 50 Prozent der Normalverdienenden Angst vor der Zukunft haben. Diese Feststellung steht für ein schlimmes Politikversagen. Man muss gar nicht das „Prinzip Hoffnung“ von Ernst Bloch in Erinnerung rufen. Jede und jeder von uns weiß, dass sich eine Gesellschaft nicht auf Angst gründen lässt. Wenn es keine Zuversicht für die Zukunft mehr gibt, wenn wir nicht mehr daran glauben, dass es unseren Kindern einmal besser als uns gehen wird, dann bröckeln die Fundamente unseres Gemeinwesens.

Arroganz gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern

Im Politikbetrieb hat sich viel Arroganz gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern breit gemacht. Versprechen werden gebrochen. Lobbyisten bekommen mehr Gehör als der DHL-Ausfahrer. Gesetzesvorlagen werden von Großkanzleien geschrieben und das Azubi-Gehalt eines jungen Menschen aus einer Hartz IV-Familie wird voll auf das Arbeitslosengeld II angerechnet. Was für ein Skandal.

Wir sind uns absolut sicher: Hätte es eine Abstimmung unter den Mitgliedern über die in der Schröder-Fischer-Regierung beschlossene Senkung der Einkommensteuer von 53 auf 42 Prozent oder über Hartz IV gegeben – das hätte keine Mehrheit gefunden. Die Menschen haben ein sehr feines Gefühl für das, was gerecht ist und was nicht. Gerhard Schröder aber sagte 2005 stolz: „Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gibt.“ Kein Wunder, dass die SPD heute bei 13 Prozent liegt.

Jeden Freitag demonstrieren junge Menschen dafür, dass die Politik endlich Entscheidendes gegen den Klimawandel unternimmt. Und bei Anne Will streiten sich Politiker darüber, dass die Schülerinnen und Schüler lieber zur Schule gehen sollen. Wie armselig ist das!

„Frieden ist nicht alles. Aber ohne Frieden ist alles nichts“

Seit Jahrzehnten gehen tapfere Menschen immer zu Ostern auf die Straßen und demonstrieren für Abrüstung. Doch während wir weltweit eine gigantische Aufrüstung und eine ständig wachsende Kriegsgefahr erleben, wird in Berlin allen Ernstes über die Erhöhung unseres Bundeswehretats um rund 50 Prozent gesprochen bei gleichzeitiger Kürzung des Bildungsetats. Willy Brandt sagte einmal: „Frieden ist nicht alles. Aber ohne Frieden ist alles nichts.“

Meine, Simone Langes, Tochter ist zehn Jahre alt. Sie weiß sehr genau, dass unsere Wachstumsgesellschaft schon längst an ihre Grenzen stößt und diese Art des Wirtschaftens unseren Planeten und unsere Existenz gefährdet. Ich wünsche ihr eine bessere Zukunft, in der sie ihr Leben in gesicherten und harmonischen Verhältnissen leben kann. Ich wünsche ihr eine Familie und ein langes, gesundes Leben. Ich möchte ihr eine Zukunft gestalten, in der sie keine Angst haben muss und in der sie vor allem eins leben kann: Glück. Keine verzweifelte Suche nach bezahlbarem Wohnraum, weil wir die Immobilienspekulationen reguliert und den durch hohen Zuzug in die Städte entstandenen Druck auf den Wohnungsmarkt genommen haben, indem wir die Wiederbesiedlung von abgehängten ländlichen Räumen erreicht haben.

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Ja, es gibt sie dann wieder, die Ärzte und Einkaufsläden in den kleineren Orten, weil wir das Gründertum und die Kreativität der jungen Menschen durch ein Grundeinkommen gefördert haben. Der öffentliche Personenverkehr fährt mehrfach am Tag sogar emissionsfrei, weil wir Wasserstoff als Energieträger entdeckt und die Speichertechnologien dafür so weit entwickelt haben, dass eine dezentrale erneuerbare Energieversorgung aller Haushalte gewährleistet ist. Auch Internet funktioniert nicht nur in den Städten, sondern flächendeckend in ganz Deutschland.

Schere zwischen Arm und Reich wieder schließen

Wenn sich die Menschen heute von der SPD abwenden, dann tun sie das, weil sie der SPD seit der Zeit der ersten rot-grünen Regierung diese Lösungsansätze nicht mehr zutrauen. Schlimmer noch, ihr nicht mehr vertrauen.

Nichts in der Politik ist kostbarer als Vertrauen und nichts ist schwerer zu gewinnen als das. Nicht wir haben uns von den Wählerinnen und Wählern abgewendet. Mit Gerhard Schröder haben die Menschen erlebt, dass sich die Partei von ihnen abwendet. Dass sie sich in der Folge von uns abwenden, ist bittere Erkenntnis.

Die Menschen erwarten von uns Politikerinnen und Politikern, dass wir tagein tagaus dafür sorgen, dass in einer Kommune und in einem Land alles richtig funktioniert. Sie erwarten aber auch von uns, dass wir Lösungen finden für die drängenden Probleme unserer Zeit. Wie stoppen wir den Klimawandel? Wie schaffen wir, dass die Schere zwischen Arm und Reich wieder geschlossen wird? Wie bewerkstelligen wir die dringend notwendige Agrarwende? Wie kommen wir zu einem neuen, besseren Miteinander von Stadt und Land? Was tun wir gegen die steigenden Kriegsgefahren?

Eine gute Zukunft braucht ein neues Bildungssystem

Nur wenn wir endlich die richtigen Antworten dafür finden und das dann auch umsetzen, werden die Menschen wieder Vertrauen gewinnen. In das politische System und in die Zukunft unseres Landes. Der direkte Zusammenhang zwischen der angeblichen „Politikverdrossenheit“, die in Wahrheit eine Parteienverdrossenheit ist, und der Angst vor der eigenen Zukunft wird leider oft übersehen. Schnell gerät unsere Demokratie in Gefahr, wenn wir die Probleme nicht lösen.

Im Zentrum aller Problemlösungen steht ein Bildungssystem, das uns mit den notwendigen Kompetenzen ausstattet. Ein Bildungssystem, das es schafft, unsere Kenntnisse und Fähigkeiten nachhaltig zu entwickeln. Schulen müssen Orte sein, in denen vor allem zwei wichtige Dinge zur Verfügung stehen: Lehrer und Zeit. Nicht auf schnelles Lernen kommt es an, sondern auf nachhaltiges Lernen. Man kann ebenso wenig schnell lernen, wie man schnell schlafen kann. Und man kann ebenso wenig aufgeben zu lernen, wie man das Schlafen nicht aufgeben kann.

Eine gute Zukunft braucht deshalb auch ein neues Bildungssystem, eines ohne Druck, in dem das Gelernte viel länger im Gedächtnis bleibt und das unsere Kinder zu emphatischen, mutigen und sozialen Menschen ausbildet, die unsere Demokratie weiter entwickeln und dadurch in Frieden leben können.

Wir wissen, dass die Sozialdemokratie das erreichen kann, wenn sie selbst jetzt mutiger, sozialer und demokratischer wird. Viele Menschen wollen ihre SPD zurück und wir treten für sie ein. Die Parteispitze kann – und soll – die Mitglieder als unsere Basis vertreten. Echte Veränderung müssen wir alle gemeinsam erreichen. Und dafür laden wir auch alle ein, die sich nach Sozialdemokratie sehnen, einzutreten – und anzutreten.

Die Spirale der Ungleichheit, der rechte Aufmarsch, die nahende Klimakatastrophe – all das verlangt nach einer kraftvollen Sozialdemokratie. Eine bessere SPD ist möglich – und ein besseres Deutschland auch. Wir können beides nur gemeinsam schaffen. Und noch nie war es so nötig, dass wir es anpacken.

Zu den Personen

Simone Lange und Alexander Ahrens bewerben sich gemeinsam um den SPD-Vorsitz. Lange ist Oberbürgermeisterin in Flensburg, Ahrens in Bautzen. 

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