Bundeswehr

Wo der Stiefel drückt

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Es wird dauern, bis die Mängel bei der Bundeswehr beseitigt sind. Die Presseschau.

Der Bericht des Wehrbeauftragten Hans-Peter Bartels über die Bundeswehr eint die Kommentatoren. Fast alle finden die Mängel nicht hinnehmbar.

Die „Badische Zeitung“ schreibt dazu: „Nur weil der Wehretat wieder um ein paar Milliarden Euro steigt, verschwinden jene Probleme nicht, die sich in Jahrzehnten von Misswirtschaft und Unterfinanzierung (...) aufgestaut haben. Und nur weil Deutschlands internationale Aufgaben wachsen, wachsen nicht die militärischen Fähigkeiten. 2025 soll die Truppe 30 000 zusätzliche Soldaten haben. Warum nicht 30 000 weniger? Die wären dann vielleicht tatsächlich gut gerüstet und einsatzfähig.“

Die „Mitteldeutsche Zeitung“ findet: Der „Bericht ist gespickt mit Beispielen aus Absurdistan. (...) Ein Soldat, der nach der Rückkehr aus Mali den Vorbereitungslehrgang absolviert. Waffen, die im Kosovo aus Angst vor Tierseuchen desinfiziert werden und dort wenig später auf schmutzigen Tiefladern landen. Bartels seziert und analysiert. Die Truppe leide an Unterbesetzung und Überorganisation. Ein Bürokratiemonster, ineffizient und aufgebläht, raubt Soldaten die Kraft, vernichtet Motivation und Ansehen, torpediert Rüstungsprojekte, noch bevor die erste Schweißnaht gesetzt ist.“

Die „FAZ“ erläutert: „Viel ist (...) von strategischer Autonomie Europas in Beziehung zu den USA die Rede. Wer aber den Bericht des Wehrbeauftragten liest, der kommt zu dem Schluss, dass zumindest für Deutschland der Weg vom Wunsch zur Wirklichkeit noch sehr, sehr lang sein wird. Gespannte Personallage, gravierende Ausrüstungsmängel, die Verwaltung ein Bürokratiemonster – Staat ist mit dieser Bundeswehr nicht zu machen. Die Leidtragenden sind die Soldaten, die auf Dauereinsätze geschickt und mit immer mehr Aufgaben betraut werden.“

Der „Tagesspiegel“ ergänzt: „Die deutsche Gesellschaft braucht die Debatte, wofür die viertgrößte Wirtschaftsmacht der Erde Militär benötigt. Wenn sie die Bundeswehr nicht mehr als Waisenkind behandelt, werden sich Wege für die Sanierung finden. In einer Truppe, die stolz darauf sein darf, was sie im Ernstfall kann, wächst die Moral und sinkt die Zahl der Skandale.“

Die „Freie Presse“ kommt zu dem Schluss: „Natürlich richtet sich die Kritik zuvorderst an Verteidigungsministerin von der Leyen. Sie ist die oberste Dienstherrin der Armee. Doch viele Probleme hat die Ministerin von ihren Vorgängern geerbt, etwa die überbordende Bürokratie und die schwerfällige Organisation. Ein Schluss aus dem Bericht muss zwingend sein, dass sich in Zukunft die Reihenfolge ändert: Zuerst muss die Truppe anständig ausgestattet werden. Erst dann kann die Politik die Soldaten in schwierige Einsätze schicken.“

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