Großbritannien

Wahl als Referendum

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Absurderweise könnte der EU-Urnengang Gegner der Union nach Brüssel bringen. Ein Kommentar.

Überraschend kam die Ankündigung zwar nicht, dass die Briten nun doch an den Europawahlen teilnehmen. Zu zerstritten präsentiert sich seit Monaten das Parlament. Zu geschwächt regiert Premierministerin Theresa May. Und zu deutlich wurde das zwischen Brüssel und London ausgehandelte Austrittsabkommen vom Unterhaus abgeschmettert.

Trotzdem ist es eine Wahl, die nie hätte stattfinden dürfen. Denn die Situation als absurd zu bezeichnen, dürfte die Untertreibung des Jahres sein. Ein Land, das sich mehrheitlich für den Austritt aus der EU ausgesprochen hat, wählt nun Volksvertreter, die weiter am Tisch der EU sitzen und an Entscheidungen rütteln können, mit denen das Parlament auch noch weit nach dem Brexit leben muss.

Hinzu kommt: Sollte die Regierung in London bis zur konstituierenden Sitzung des Europaparlaments am 2. Juli die Scheidung nicht durchsetzen, würden aus Großbritannien vermutlich vor allem Unruhestifter wie von der Brexit-Partei des Chef-Europaskeptikers Nigel Farage nach Brüssel kommen. Die Front der EU-Hasser wirkt geschlossener als jene der EU-Freunde.

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