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Kanzler Sebastian Kurz (vorne) und Grünen-Chef-Kogler (rechts) haben den Willen zur gemeinsamen Macht.

Kommentar

Wahl in Österreich: Türkis-Grün ist ein Wagnis

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Im zweiten Anlauf könnte die schwarz-grüne Koalition in Österreich klappen. Das Männer-Duo Kurz-Kogler hat den Willen zur Macht. Der Kommentar.

ÖVP und Grüne kennen sich in Österreich. 2002 versuchten Wolfgang Schüssel und Alexander van der Bellen erstmals, eine Regierung zu bilden. Am Ende der Verhandlungen beschimpften sich die Parteien als „Schnösel“ und „dogmatische Moralisten“.

Der Hardliner Sebastian Kurz („Flüchtlingslager in Nordafrika“, „österreichische Grenzen schließen“) hat als Meister des Marketings sein Parteilogo von schwarz auf türkis aufgefrischt. Nach dem Erdbeben des Strache-Videos stellte er seine Partei auch inhaltlich anders auf. Bei der Wahl 2019 verloren FPÖ und SPÖ dramatisch. Kurz wählte das Wagnis Türkis-Grün statt einer Koalition mit FPÖ und SPÖ.

Wie sehr Kurz auch hier dem Zeitgeist folgt, zeigen jüngste Meinungsumfragen. Klimaschutz ist für die Mehrheit der Österreicher das zentrale Thema. Grünen-Chef Werner Kogler hat seine Partei weg vom linken sozialen Profil hin zum einzigen Thema Klima umgebogen. Wenn Kurz hier Zugeständnisse macht, modernisiert er zugleich die ÖVP. Bei wichtigen Fragen wie der Asylpolitik bleibt er hart und besänftigt den Partner mit Dokumentationsstellen und Ministerposten.

Ob das reicht? Der Selbstdarsteller Kurz hat nur ein Ziel: seine Macht erhalten. Die Grünen laufen Gefahr, konturlos unter die Räder zu kommen. 

Sebastian Kurz zimmert sich gerade eine Koalition, die Österreich ordentlich umkrempeln kann. Wenn sie hält. Die erste Hürde ist die grüne Basis am Samstag. Außerdem stellt sich die Frage, ob jetzt das „Modell Österreich“ auch in Deutschland kommt. Schon möglich, sagt FR-Kommentator Stephan Hebel, aber der Preis wäre hoch.

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