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Wahl in Guatemala: Ein Land wird weiter ausgeplündert

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Der neue Präsident des mittelamerikanischen Landes wird drängende Probleme wie Armut und Migration nicht lösen. Wahrscheinlich will er es nicht einmal. Ein Kommentar.

Das Ergebnis der Präsidentschaftswahl in Guatemala kann nur Unverständnis und Scham auslösen. Der Sieg Alejandro Giammatteis ist der klassische Fall des größeren Übels. Er ist ein Politiker mit sicherem Machtinstinkt. Aber er hat keine Vision, wie er die Probleme des Landes – Unterernährung, Ausgrenzung der Ureinwohner, Armut und Migration – lösen will.

Vermutlich interessiert es ihn auch gar nicht. Die politische Klasse hat sich an der Macht gehalten. Für weitere vier Jahre werden die Generäle und die konservativsten Eliten die Geschicke des Landes bestimmen. Weitere vier Jahre, in denen Guatemala ausgeplündert wird.

Der „guatemaltekische Frühling“ aus dem Jahr 2015, als der damalige Präsident Otto Pérez Molina auch durch massive Proteste einer mutigen Bürgerbewegung aus dem Amt getrieben wurde, hat sich nicht zu einer nachhaltigen politischen Kraft entwickeln können. Die Beteiligten von damals sind heute in der inneren Emigration oder haben das Land verlassen. 200 000 Menschen flohen alleine in diesem Jahr aus Guatemala, 1,5 Prozent der Bevölkerung. Und die Wahlbeteiligung lag am Sonntag gerade bei 40 Prozent. Die Guatemalteken haben den Glauben an die Politik als verändernde Kraft längst verloren. 

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