KOLUMNE

Vorsicht beim Verbieten

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Alles, was Schaden anrichten könnte, wird beäugt, geprüft und falls nötig verboten. Alle Vergehen sollten aber gleich penibel verfolgt werden.

Eigentlich ist man ja in Deutschland schnell mit Verboten bei der Hand – zumindest in einigen Bereichen. Werden bei einem Wirt mehrmals nicht nur Gäste, sondern auch Mäuse gesichtet, wird seine Stätte ratzfatz geschlossen.

Seit die Europäische Union so richtig auf Touren geraten ist, haben sich Hygienevorschriften gar noch verschärft. Zigtausende Bäcker und Metzger mussten seither ihr Handwerk niederlegen, da ihre Betriebe den verschärften Standards nicht genügten.

Das traf besonders jene, die früher die besten Würste machten, nämlich die kleinen Familienbetriebe, die sich Modernisierungen nicht leisten konnten. Meistens in Ländern wie Italien, Frankreich, Spanien und Portugal, aber auch in Deutschland, Österreich, Tschechien oder Polen.

Holland, Irland oder Skandinavien betrifft das nicht, dort gab es noch nie gute Würste. Und England braucht in diesem Zusammenhang erst gar nicht erwähnt werden. Von daher darf als harmloseste Folge des Brexits der Rückgang exportierter britischer Würste bezeichnet werden.

Nun besteht die Welt nicht nur aus Würsten und Wirtschaften (was eigentlich schade ist). Aber sind zum Beispiel die Reifen eines Autos glatt wie Kinderpopos, wird es stillgelegt. Verfügt ein Toaster nicht über das amtliche Prüfzeichen, darf er nicht verkauft werden.

Ebenso wie eine Hautcreme oder ein Spielzeug, wenn dort schädliche Zusatzstoffe nachgewiesen werden. Genauso verhält es sich mit Finanzprodukten oder Versicherungen, wenn sie den gesetzlichen Anforderungen nicht entsprechen.

Alles, was Schaden anrichten könnte, wird also beäugt, geprüft und im gegebenen Fall verboten. Interessant ist dabei natürlich, dass häufig der Verdacht entsteht, größere Vergehen würden weniger penibel verfolgt als kleinere. Wird beim Metzger um die Ecke eine verschimmelte Krakauer gefunden, ist der Laden zu. Lagern hingegen bei einer Großfleischerei gleich mehrere Tonnen davon, können Konsequenzen schon etwas dauern.

Grundlage für Sanktionen sind Gesetze, die im optimalen Fall wenig Raum für Interpretationen lassen. Eines davon ist das Waffengesetz. Gemeint ist nicht das Waffenexportgesetz. Wie großzügig das oftmals ausgelegt wird, ist hinlänglich bekannt. Dagegen sind zehn Tonnen verfaulte Wurst ein Akt des Altruismus.

Die Rede vielmehr ist von jenem Paragrafenwerk, das den privaten Besitz von Schusswaffen regeln soll. Da lag einiges im Argen – und das tut es immer noch, auch nach einer gerade beschlossenen Novellierung. So sollen künftig alle Waffenbesitzer vom Verfassungsschutz überprüft und zentral registriert und Magazine auf maximal zehn Schuss begrenzt werden. Zudem soll der Bedarf alle fünf Jahre neu nachgewiesen werden.

Und das soll es schon gewesen sein? Laut Nationalem Waffenregister sind in Deutschland knapp sechs Millionen Waffen in privatem Besitz. Warum? Warum kein Totalverbot aller Waffen mit Ausnahmen für ausgewählte Jäger? Warum wird Schießen als „Sport“ verharmlost und nicht ganz untersagt? Eine Antwort: „In dem Moment, wo Sie Schusswaffen zum verbotenen Instrument machen, weichen Kriminelle auf andere Mittel aus“, sagte Oliver Huber von der „German Rifle Association“ im ZDF. Also: Bewaffnet alle, dann wird alles gut. Donald Trump lässt grüßen.

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