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Vorbeugen tut not

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Von: Tim Szent-Ivanyi

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 Corona ist noch da: Beschäftigte einer Teststation.
Corona ist noch da: Beschäftigte einer Teststation. © Harald Tittel/dpa

Es muss jetzt darum gehen, auf eine mögliche neue Corona-Welle im Herbst vorbereitet zu sein. Das sollten auch die Liberalen endlich begreifen.

Es gibt eine kleine Gruppe von Gesundheitsfachleuten, Ökonomen und Wissenschaftlerinnen, die seit Beginn der Corona-Pandemie regelmäßig kluge „Thesenpapiere“ veröffentlichen, jedoch sowohl von der Merkel- als auch der Scholz-Regierung als Nervensägen oder gar Corona-Verharmlosende diffamiert werden. Ihre Hauptforderung war stets, mehr Daten zu erheben, um die Infektionslage richtig bewerten zu können.

Sie machten sehr früh darauf aufmerksam, dass man sogenannte Kohorten-Studien benötigt, um herauszufinden, wie stark sich das Virus zu unterschiedlichen Zeiten in bestimmen Bevölkerungsgruppen ausgebreitet hat. Und sie verlangten ebenso wie Ärzteverbände, alle Corona-Schutzmaßnahmen auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen und insbesondere auch die möglichen Kollateralschäden mit zu berücksichtigen.

Die Warnung etwa, dass Lockdowns und Schulschließungen bei Kindern und Jugendlichen zu ernsten Entwicklungsstörungen führen werden, blieb jedoch ebenso ungehört wie die Forderung nach einer besseren Datenlage. Bis heute muss von einem Blindflug durch die Pandemie gesprochen werden. Niemand weiß, wie hoch die Zahl der Infizierten, der Genesenen und der Geimpften tatsächlich ist.

Während die Politikerinnen und Politiker in vielen Ländern auf valide Zahlen zurückgreifen können, ist hierzulande von Dunkelziffern die Rede. Es ist ein Armutszeugnis, dass etwa im vergangenen Jahr keine Daten vorlagen, die die Notwendigkeit von Booster-Impfungen zeigten. Glücklicherweise konnte die Bundesregierung hier Studien israelischer Gesundheitsbehörden nutzen.

All diejenigen, die mehr Evidenz und eine Beachtung der Nebenwirkungen staatlicher Maßnahmen forderten, dürfen sich durch das Gutachten der Sachverständigenkommission endlich bestätigt fühlen. Dass die Kommission auch das Durchregieren der Exekutive in Form der regelmäßigen Bund-Länder-Runden kritisiert, ist hingegen wohlfeil, schließlich muss in einer Pandemie rasch gehandelt werden.

Richtig ist allerdings, dass der Gesetzgeber noch nicht einmal versucht hat, dafür eine Lösung zu finden. Denkbar wäre zum Beispiel, ein gemeinsames Entscheidungsgremium von Bund und Ländern verfassungsrechtlich abzusichern und dem Bundestag ein Vetorecht gegen dessen Entscheidungen einzuräumen, um die Beteiligung des Parlaments zu sichern.

Bei aller berechtigter Kritik am Corona-Management der Regierenden gilt es nun allerdings, pragmatisch zu sein. Die Datenlage muss zweifelsfrei verbessert werden, aber kurzfristig wird das nicht gelingen. Doch es muss jetzt darum gehen, für den Herbst vorbereitet zu sein. Das sollten auch die Liberalen begreifen, die sich derzeit wie Kleinkinder benehmen, die glauben, die Wirklichkeit um sie herum verschwindet, wenn sie die Augen nur fest genug zumachen. Doch Corona ist noch da – und eine nächste Welle mit einer hochansteckenden und wieder gefährlicheren Virusvariante ist nicht auszuschließen.

Nötig ist unter anderem eine schnell zu aktivierende Hotspotregelung mit Abstands- und Hygieneregeln sowie Masken- und Testverpflichtungen, um lokale Ausbrüche früh in den Griff zu bekommen. Das ist das Einmaleins der Pandemiebekämpfung. Für die Wirksamkeit und ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis von Lockdowns, Zugangsbeschränkungen und Schulschließungen gibt es dagegen – zumindest bisher – keine ausreichenden wissenschaftlichen Nachweise.

Der beste Schutz ist ohnehin eine hohe Impfquote. Hier muss der Ampelkoalition mehr einfallen als strategisch schlecht vorbereitete Versuche zur Einführung einer Impfpflicht oder die einschläfernde „Impfen-hilft“-Kampagne. Impfen ist und bleibt der einzige Ausweg aus der Pandemie. Berichte S. 2/3

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