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Die Stiko in Sachsen empfiehlt das Impfen von Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren.
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Die Stiko in Sachsen empfiehlt das Impfen von Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren.

Leitartikel

Von Sachsen lernen

  • Tim Szent-Ivanyi
    VonTim Szent-Ivanyi
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Die Impfkommission des östlichen Bundeslandes empfiehlt, Kinder von zwölf Jahren an zu impfen – und stützt die politische Entscheidung. Der Leitartikel.

In ganz Deutschland gilt der Beschluss der Ständigen Impfkommission (Stiko), wonach die Immunisierung von Kindern und Jugendlichen gegen das Coronavirus nicht empfohlen wird. In ganz Deutschland ? Nein, im Osten der Republik gibt es Wissenschaftler eines kleinen Völkchens, die die Sache ganz anders sehen. Die einzige Impfkommission auf Landesebene – die Sächsische Impfkommission (Siko) – empfiehlt seit Sonntag, Kinder von zwölf Jahren an zu impfen. Sie tut das unter Hinweis auf genau die Daten, die es nach Behauptung der Bundes-Stiko noch gar nicht gibt: Mit validen Zahlen aus den USA und Israel.

Nach Angaben von Siko-Chef Thomas Grünewald flossen in die Einschätzung mehr als sechs Millionen Impfungen von 12- bis 17-Jährigen in den USA sowie eine hohe sechsstellige Zahl solcher Impfungen in Israel ein. Sein Fazit: Die Impfung für Kinder von zwölf Jahren an sei sicher und biete einen individuellen Schutz. „Der Nutzen überwiegt eindeutig das Risiko adverser („unerwünschter“) Reaktionen“, heißt es im Siko-Beschluss.

Handelt es sich hier um durchgeknallte, impfwütige Experten? Sicherlich nicht. Die Siko existiert seit 1991 hat sich seitdem den Ruf erarbeitet, ihrer Zeit immer wieder voraus zu sein. So plädierte sie bereits 2013 dafür, die bis dahin nur für Mädchen empfohlene Impfung gegen Humane Papillomaviren (HPV), die Tumore verursachen können, auf Jungen und Männer auszuweiten. Dafür sprachen sich damals auch wichtige medizinische Fachgesellschaften aus. Die Bundes-Stiko folgte – jedoch erst fünf Jahre später.

Stiko-Chef Thomas Mertens hatte dennoch am Montag nichts Besseres zu tun, als das Vorgehen der Sachsen als unklug zu kritisieren. Dabei sind seine Argumente fragwürdig: Epidemiologisch sei die Impfung von Kindern – also der Schutz vor Covid-19 – nicht relevant, sagt er.

Da stellt sich umgekehrt die Frage, wo er und seine Kolleginnen und Kollegen waren, als Virologen der Politik und der Bevölkerung erklärten, die Schließung von Schulen und Kitas sei zur Bekämpfung der Pandemie unbedingt notwendig. Wo war der Widerstand der Medizinerinnen und Mediziner gegen diese überzogene Maßnahme, die bei Heranwachsenden schwere Kollateralschäden verursacht hat?

Vermehrte Angststörungen, Konzentrations- und Schlafstörungen, Depressionen, Suizidgedanken, eine verzögerte Sprachentwicklung und eine Zunahme von Verhaltensauffälligkeiten sind nur die Spitze des Eisbergs. Und warum ignoriert die Stiko die mit immer mehr Daten unterfütterte Befürchtung, dass auch Kinder von Long-Covid betroffen sind?

Mit Stiko-Bashing kommt man nicht weiter, im Gegenteil. Je mehr Druck aufgebaut wird, desto verstockter scheinen die Mitglieder zu werden. Zudem wird die Debatte in der Öffentlichkeit unnötig emotional aufgeladen. Motto: Die übergriffige Politik gegen die standhaften Medizinerinnen und Mediziner. Übrigens sind es jetzt die Querdenker, die plötzlich die Wissenschaft loben. Auch das sollte der Stiko zu denken geben.

Zunächst sah es danach aus, als stecke die Politik den Kopf in den Sand, um beim verunsicherten Wahlvolk nicht anzuecken. Doch glücklicherweise hat sich bei Bund und Ländern die Erkenntnis durchgesetzt, dass Nichtstun fahrlässig wäre.

Insofern ist der Beschluss der Gesundheitsministerinnen und -minister überfällig, alle Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Kinder und Jugendliche, die sich in Absprache mit ihren Eltern impfen lassen wollen, dafür schnell und unkompliziert die Gelegenheit bekommen. Damit sichert die Politik Chancengleichheit – wofür sie zuständig ist. Mit einer Impfpflicht durch die Hintertür oder unzulässigem Druck auf wen auch immer hat das nichts zu tun.

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