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Trotz „Fridays-for-future“-Demos - der Formel-1-Zirkus boomt. 

Autorennen

Der PS-Zirkus gibt Vollgas

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Seltsamerweise wird immer noch dem Auto gehuldigt - etwa mit Lobeshymnen auf die Rallye Dakar oder die Formel 1. Die Kolumne. 

Selbst die von mir geschätzte „Süddeutsche Zeitung“ vermag mich von Zeit zu Zeit zu erschrecken. So las ich im Wirtschaftsteil der Osterausgabe unter der Headline „Urbane Arroganz“: „Die Verteufelung des Autos in Deutschland ist auch die Folge eines verstellten Blicks von Politikern und Umweltaktivisten auf die Realität“. Verkehrsminister Andreas Scheuer kann damit ja wohl nicht gemeint sein, wirkt er doch generell eher wie der Schutzpatron des Autos denn als sein Verfolger.

„Und zum Staub kehrst Du zurück“

Im Sportteil geht es in derselben Ausgabe des Blattes unter der Überschrift „Das letzte Abenteuer“ aber erst richtig zur Sache. Gleich der erste Satz versucht sich in einer Art automobiler Lyrik: „Nach ein paar Tagen fand Andrea Peterhansel, dass es Zeit sein könnte, mal das Gaspedal durchzutreten. Vor ihnen erstreckte sich der Sand: eine weiche Ockerlandschaft mit sanften Dünen; weit und breit kein Gefahrenpunkt zu entdecken, auch im Roadbook war an dieser Stelle nichts Auffälliges vermerkt.“ Und so geht das weiter und weiter, überflüssig zu erwähnen, dass noch von Spaß und „natürlich viel mehr Spaß“ die Rede ist.

Es geht dabei übrigens um die „Dakar“, die in Südamerika stattfindet. Der Name erinnert noch an die 1978 gestartete jährliche Rallye „Paris – Dakar“, als der Tross der aufgemotzten Boliden noch einen erheblichen Teil der afrikanischen Straßen unbrauchbar machte, menschliche Kollateralschäden am Wegesrand als unvermeidbar eingeschlossen. Nun liegt also Peru am Wege. Und wieder sind so gut wie alle Medien dabei. Besonders ausführlich wird das Spektakel von „Mr. Icon“ einem „Lifestyle-Magazin für den Mann“ aus dem Hause Springer, Unterabteilung „Welt“ und „Welt am Sonntag“, begleitet, mit der Bibelassoziation „Und zum Staub kehrst Du zurück“.

2020 findet der PS-Zirkus in Saudi-Arabien statt

Auch diese Liebeserklärung an Hochtouriges beginnt in den ersten Sätzen mit Geschwurbel: „Bevor man die Buggys sieht, hört man sie kommen. Im Minutentakt pflügen sie sich mit jaulendem Motor durch die Dünen, dann sind sie schon wieder hinter einem Vorhang aus Staub verschwunden.“

Damit die geneigte Leserschaft an der Dramatik des sandigen Geschehens gebührend teilhat, noch ein weiteres Zitat. „Während bei anderen Querfeldeinrennen die Geschicklichkeit der Fahrer im Mittelpunkt steht, zählt bei der Dakar vor allem das Durchhaltevermögen: Zehn Etappen über Entfernungen von bis zu 810 Kilometern, zehn Tage mit Vollgas durch Sand und Dünen, zehn Tage Dauerbelastung für Mensch und Maschine.“ Und um beim Sand zu bleiben: 2020 findet der PS-Zirkus in Saudi-Arabien statt.

In ihren Ausgaben eine Woche vor Ostern widmeten sich die Medien dem 1000. Formel-1-Grand-Prix, die „SZ“ war mit einer ganzen Seite dabei. In Anspielung an den Klaus-Lage-Song „1000 und 1 Nacht“ titelte sie ganz volksnah: „1000 Mal ist viel passiert“.

Als ich diese Zustandsbeschreibungen aus einer anderen, mir fremden Welt las, dachte ich an Greta, die wir doch alle so sehr lieben. Auch wenn ich an ihrer heilbringenden Wirkung Zweifel bekam, als sie kürzlich bei der Gala der Goldenen Kamera als Ehrengast auftrat, während am selben Abend vom Hauptsponsor VW eines jener SUV-Monster an eine Schauspielerin verschenkt wurde. Aber vielleicht hat ihr der Papst auf dem Petersplatz während einer Generalaudienz ins Gewissen geredet. Denn es bleibt dabei: Die „Fridays-for-future“-Demos sind ja eine gute Idee, wenn daraus wirklich etwas für die geschundene Natur folgt.

Klaus Staeck ist Grafiker.

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