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Das Virus als Reformmotor

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Die Corona-Krise zeigt die Folgen der Gier nach Billigfleisch. Dass es für das Handeln der Politik eine Pandemie bedurfte, ist beschämend. Der Kommentar.

Wenn es an der Corona-Krise etwas Gutes gibt, dann dieses: Sie hat gezeigt, welche Folgen die Geiz-ist-geil-Mentalität an Supermarktregalen und Kühltheken hat. Um die Gier nach Billigfleisch zu befriedigen, tritt die Industrie nicht nur das Tierwohl mit Füßen. Sie hat auch eine moderne Form der Lohnsklaverei erschaffen. Immer wieder gab es Berichte über menschenunwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen.

Dass die Politik mit diesen Zuständen endlich Schluss machen will, ist richtig. Dass es der Pandemie bedurft hat, um überfällige Reformen anzustoßen, ist beschämend. Der Reformdruck rührt einzig daher, dass plötzlich die deutsche Mehrheitsgesellschaft die Konsequenzen der Zustände in der Fleischindustrie zu spüren bekommen hat. Eine zusätzliche Woche musste der Kreis Coesfeld im Lockdown verbringen, weil im örtlichen Schlachthof das Virus ausgebrochen war.

So haben die deutsche Verbraucher zum ersten Mal am eigenen Leib erfahren, dass auch Billigfleisch einen sehr hohen Preis haben kann. Die Arbeiter in den Schlachthöfen haben das schon lange gewusst.

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