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Prinz Felipe soll der Nachfolger des zurückgetretenen Juan Carlos werden.
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Prinz Felipe soll der Nachfolger des zurückgetretenen Juan Carlos werden.

Leitartikel zu Juan Carlos

Zu viel der Ehre

  • Martin Dahms
    VonMartin Dahms
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Juan Carlos hat den Spaniern den Weg zur Demokratie geebnet. Doch als König der Demokratie hat er versagt. Dem Volk, das um seine Zukunft bangt, war er nie nahe.

Der Tag nach der Abdankung war kein guter Tag für Spaniens Republikaner. Auf allen Kanälen, im Fernsehen, im Radio, in den Zeitungen, wurde ihnen gesagt, welch eine Ausnahmeerscheinung Juan Carlos gewesen sei – und wie gut sich sein Sohn Felipe in den vergangenen Jahren auf das Königsamt vorbereitet habe. Manche mochten es nicht mehr hören. Ein paar Zehntausend waren am Montagabend in mehr als 40 Städten des Landes auf die Straße gegangen, um ein Referendum über den Fortbestand der Monarchie zu fordern. Die Begeisterung für das spanische Königshaus ist weniger einhellig, als ein Blick in die spanischen Zeitungen vermuten lässt. Die Kritiker haben gute Gründe für ihre Skepsis.

Juan Carlos war der richtige Mann am richtigen Ort, als im November 1975 mit Francisco Franco auch dessen fast 40 Jahre währende Diktatur entschlief. Der zwei Tage nach dem Tod des Diktators inthronisierte junge König nutzte seine Position, um das Land mit klugen Entscheidungen zur Demokratie zu führen – die klügste davon war, den reformwilligen Franquisten Adolfo Suárez zum Ministerpräsidenten zu ernennen. Drei Jahre später, am 6. Dezember 1978, dankten die Spanier Juan Carlos für seine Arbeit, indem sie die neue demokratische Verfassung absegneten, die Spanien zur parlamentarischen Monarchie erklärte.

Unter den spanischen Königskritikern hält sich bis heute das hartnäckige Gerücht, dass Juan Carlos nie ein Herzensdemokrat gewesen sei. Für sie ist er immer nur der „König von Francos Gnaden“ gewesen, der den Weg zur Demokratie aus purem Opportunismus einschlug. Mit der Beschreibung mögen sie Recht haben, mit ihrer Wut nicht.

Für den historischen Prozess der Abnabelung von der Diktatur ist es unerheblich, welche Motive den Monarchen geleitet haben könnten. Sein eigenes Interesse fiel mit dem Interesse Spaniens zusammen: Juan Carlos wusste, dass nur eine demokratisch legitimierte Monarchie eine Überlebenschance haben würde. Wenn er noch einer Geschichtslektion bedurft hätte, brauchte er nur seine Frau, die griechische Prinzessin Sofía, zu fragen: Deren Bruder Konstantin hatte seine Krone verloren, weil er sich in den 1960er Jahren allzu gut mit der Militärdiktatur in seinem Land arrangiert hatte.

Dass Juan Carlos seine Lektion gelernt hatte und die Fehler seines Schwagers vermied, muss man ihm nicht vorhalten. Er war ein guter König, als Spanien einen guten König brauchte. Doch es gibt unter spanischen Monarchisten die Neigung, alle Errungenschaften der Demokratie Juan Carlos zuzuschreiben – als wenn Spanien ohne den König notwendig im Chaos versunken wäre. Das Nachbarland Portugal hatte anderthalb Jahre zuvor, am 25. April 1974, vorgemacht, dass man eine Diktatur auch mit einem unblutigen Staatsstreich beenden kann.

Der spanische Weg war ein anderer, die Umstände waren andere. Juan Carlos nutzte seine Chance. Er schlug die einzig mögliche Richtung – für Spanien und für sein eigenes Überleben als Monarch – ein. Das kann man ihm danken. Das sollte man ihm danken. In die Knie muss man deshalb nicht vor ihm gehen.

30 Jahre später hätte Spanien wieder einen guten König brauchen können. Anfang 2008 platzte die Immobilienblase, die dem Land zehn Jahre lang einen nahezu unglaublichen Wirtschaftsboom beschert hatte. Millionen Menschen verloren ihren Arbeitsplatz, Zehntausende ihre Wohnung. Spanien lernte das Elend kennen. Doch Juan Carlos lebte weiter in seiner eigenen Blase, unangetastet von einer zahnlosen Presse. Er hätte sich zum Fürsprecher der Krisenopfer machen können, er hätte das Land bereisen können, um die Sorgen der Ärmsten zu teilen. Stattdessen reiste er mit seiner deutschen Freundin Corinna zu Sayn-Wittgenstein zur Elefantenjagd nach Botswana.

Juan Carlos hatte den Spaniern den Weg zur Demokratie geebnet, aber er hatte nicht verstanden, was es bedeutet, König in einer Demokratie zu sein. Die Monarchie ist eine demokratische Anomalie. Sie muss ihre Existenzberechtigung jeden Tag neu unter Beweis stellen, sie muss ihre Funktion als Symbol eines ganzen Staatswesens mit Leben erfüllen. Juan Carlos repräsentierte dieses Spanien nicht mehr, ein leidendes und von Zweifeln erschüttertes Spanien. „Volksnah“ war Juan Carlos nur in seiner Unbekümmertheit, in seiner Begeisterung fürs oberflächliche Vergnügen, in seiner Unbelesenheit. Aber dem Volk, das um seine Zukunft bangt, war er nie nahe.

Deswegen sind am Montagabend Zehntausende Spanier auf die Straße gegangen. Jahrzehntelang haben sie sich mit einem Monarchen abgefunden, dessen vergangene Verdienste nur wenige von ihnen in Abrede stellen würden. Doch heute wollen sie mehr: Sie wollen Politiker, die ihre Ängste verstehen, und sie wollen einen Staatschef, der mehr zu bieten hat, als der Sohn eines abgewirtschafteten Königs zu sein. Felipe tritt ein schweres Erbe an.

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