Kolumne

Verzweifelte Protestbauern

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Pelze aus Kunststoff und Ackerland zu Baumärkten. Beides schadet der Natur. Die Landwirte sind aber nicht an allem schuld. 

Pelz ist schön. Und gefährlich. Vor allem für die, die ihn natürlicherweise tragen. Die Pelzmode hatte Jaguar, Ozelot und Co. an den Rand der Ausrottung gebracht. Einsicht, ein Wandel der Mode und internationale Handelsverbote haben den Markt für Pelz liefernde Wildtierarten inzwischen ziemlich lahmgelegt. Gut so, ein Erfolg des Artenschutzes.

Die meisten Pelztierarten haben ein ganz anderes Problem. Sie werden in Farmen gezüchtet, extra für die Pelzproduktion. Füchse, Nerze, Marderhunde sind dabei Massenware. Es geht um maximalen Profit, und der ist am ehesten zu erreichen, wenn die Tiere eng und billig gehalten werden.

In Deutschland gibt es inzwischen praktisch keine Pelztierfarmen mehr, dank der Proteste von Tierschützern und guter Gesetze. In Osteuropa und China aber ist die Pelzproduktion nach wie vor mit massiver Tierquälerei verbunden. Immerhin hat sich das bei Verbrauchern auch hierzulande herumgesprochen.

Wer Tiere liebt und ihre Pelze dennoch als Modeaccessoires tragen möchte, steigt um auf Imitate aus Kunstpelz. Leider sind die aber alles andere als eine umweltfreundliche Alternative. Zwar landet die edle Kunststoffkleidung, die mitunter teurer ist als ein echter Pelz, nicht so schnell im Abfall wie Trinkhalme und Wattestäbchen. Aber schon beim Tragen und Waschen sondert sie Plastikfasern ab.

Es stimmt schon, dass Reifenabrieb eine viel größere Belastung mit Mikroplastik verursacht als Kunstpelz. Wer aber solche Nachahmer gutmeinend aus Gewissensgründen kauft, sollte immerhin wissen, dass er/sie der Umwelt keinen Gefallen tut.

Für die Landwirte, die gerade wieder auf die Straßen gehen, um zu protestieren, mag es ein Trost sein, dass solches Mikroplastik ausnahmsweise kein Umweltproblem ist, das man ihnen anlasten kann. Anders als das Insektensterben, Düngemitteleinsatz, Pestizide und ganz allgemein der Verlust der Artenvielfalt.

In der Tat ist es die Agrarpolitik mit ihren teils absurden, jedenfalls aber dringend änderungswürdigen Subventionen, welche dazu führt, dass Landwirtschaft so viel Schaden in der Natur anrichtet. Das müsste nicht sein, wenn sich alle Bauern einmal gemeinsam aufstellen würden und sich zusammen mit den Umwelt- und Naturschutzverbänden gegen diese Politik wenden, in der sie nur mit reichlich Gifteinsatz und üppiger Düngung ihren Lebensunterhalt glauben sichern zu können.

Bei Öko-Landwirten ist es sowieso schon da, aber auch bei kleineren anderen Betrieben beginnt das Umdenken in Richtung naturverträglicher Landwirtschaft. Leider spielen die Funktionäre der konventionellen Bauernverbände nicht gerade eine rühmliche Rolle und tragen erheblich dazu bei, die Wende zu ökologischem Wirtschaften zu bremsen.

Die Umwandlung von Ackerland in Baumärkte und Windkraftanlagen, auch der Flächenkauf durch Landwirtschaftsinvestoren treibt zudem die Preise in die Höhe und so sind gerade für Biobauern und kleine Betriebe Flächen kaum noch bezahlbar. Immer mehr kleine Höfe müssen aufgeben, es profitieren in jeder Hinsicht die Großbetriebe.

Diese Trends stehen dem ökologischen Umbau entgegen. Wie verfehlt muss europäische Agrarpolitik sein, wie verzweifelt (oder irregeleitet?) müssen manche Landwirte sein, dass sie ihre Traktoren für Glyphosat und gegen Insekten in Stellung bringen.

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