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Versöhnung ermöglichen

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Von: Steven Geyer

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Der israelische Präsident Izchak Herzog und seine Frau Michal Herzog legen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und dessen Frau Elke Büdenbender (links) einen Kranz am Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin nieder und gehen anschließend gemeinsam durch die Gedenkstätte.
Der israelische Präsident Izchak Herzog und seine Frau Michal Herzog legen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und dessen Frau Elke Büdenbender (links) einen Kranz am Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin nieder und gehen anschließend gemeinsam durch die Gedenkstätte. © Bernd von Jutrczenka/dpa

Der Besuch des israelischen Staatspräsidenten Herzog hat gezeigt, dass die deutsche Schuld zum Grundkonsens der Bundesrepublik gehört – aber auch, dass die Deutschen keine Weltmeister in Vergangenheitsbewältigung sind. Der Kommentar.

Die Schuld am Holocaust der Täterinnen und Täter sowie die Verantwortung ihrer Nachfahren sind deutscher Grundkonsens. Das bewies die Rede des israelischen Präsidenten Jitzchak Herzog im Bundestag und der Applaus aller Abgeordneten. Doch die Deutschen sind nicht die Vergangenheitsbewältigungsweltmeister, für die sie sich gern halten.

Das zeigte Herzogs Besuch ebenfalls: Israels Präsident wäre beinahe – mit den Hinterbliebenen – dem Gedenken an die Opfer des Anschlags auf die israelische Olympiamannschaft von 1972 ferngeblieben. Die Bundesrepublik hat sich 50 Jahre lang geweigert, ihre Mitschuld am Tod der elf Israeli einzuräumen und die Vorgänge offen aufzuarbeiten – vor allem aus Angst vor Entschädigungen. Noch im Juli versuchte Deutschland, um die Entschädigungssumme zu feilschen; erst in letzter Minute wurde eine Aufarbeitung vereinbart. Erst in seiner zweiten Amtszeit entschuldigte sich Bundespräsident Steinmeier für den unwürdigen Umgang.

Das zeigt, dass Deutschland aus der Aufarbeitung des Holocaust zu lange nicht die Lehre zog, dass nur Offenheit, Reue und Aufklärung den Weg zur Vergebung ebnen. Die Angst vor Entschädigungszahlungen dagegen, die den Umgang mit Zwangsarbeitern, mit „München 1972“ oder mit den Kolonialverbrechen überschattete, hat weder Zahlungen verhindert, noch die Schuld gemildert, und Versöhnung nicht ermöglicht.

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