Um Solidarität geht's nicht

Verschwörungstheorien: Was Verschwörungs-Ideologen wirklich wollen

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Es ist wichtig, angebliche Verschwörungen zu analysieren und Argumente gegen sie zu finden. Dann überzeugen sie nicht mehr. Die Kolumne.

Verschwörungsmythen gibt es schon sehr, sehr lange. Deshalb ist es gut, dass so viel darüber gesprochen wird. In der Corona-Krise wird eben sichtbar, was schon vorher in verschiedenen Milieus zum Grundstock der Perspektiven auf die Welt gehörte.

Nehmen wir mal das Natürlichkeitsparadigma. In vielen Kreisen ist es verpönt, etwas zu sein, zu tun oder zu konsumieren, das vermeintlich nicht natürlich ist. Das beginnt bei Chemie als negativer Kontrapunkt zum Natürlichen, so als wäre der Tod nach einer Behandlung mit Naturmedizin segensreicher und besser, als das Leben nach Medikamenten aus Chemie.

Verschwörungstheorien über die böse, böse Pharmaindustrie ignorieren lebensrettenden Fortschritt

Jeder kann natürlich so natürlich sein, wie er will, doch die Verbreitung solcher Ansichten einschließlich der grundsätzlichen Ablehnung von Impfungen ist gefährlich. Damit verbunden sind Verschwörungserzählungen über die böse, böse Pharmaindustrie. Dass die keinen guten Ruf hat, steht außer Frage, doch die Mythen darüber sind wissenschaftsfeindlich und ignorieren lebensrettenden Fortschritt. Natur und Vernunft waren nie Antipoden. Wer sie gegeneinander aufzuhetzen versucht, wird es jetzt in der Pandemiezeit ebenfalls tun.

Eine andere Verschwörungsideologie wird von rechts außen bemüht. Seit einigen Jahren reden Rechtsextreme vom „großen Austausch“, der vonstattengehe. Das deutsche Volk soll demnach durch Migranten ausgetauscht werden. Das wollten besonders die Juden so, damit sie durch Zersetzung des „Natürlichen“, also des Deutschen, besser herrschen könnten.

Verschwörungstheorien: Was in einigen Kreisen an Ängsten zutage tritt, hat meist keinen Bezug mehr zu Realität

Die Flüchtlinge von 2015 seien dabei erst der Anfang gewesen. Deshalb müssten sich die Deutschen gegen Überfremdung und die neue Weltordnung wehren, die die Juden erzwingen wollten. Um das zu erreichen, unterdrücke die Regierung und die globalistischen Eliten – noch so was Jüdisches und Unnatürliches – die Meinungsfreiheit. Diese Erzählung kursiert seit Jahren. Aus diesem argumentativen Baukasten bedient sich die sogenannte Alternative für Deutschland (AfD) täglich.

Dann sind da noch diejenigen, die nichts mehr fürchten als Kontrolle. Gedankenkontrolle, Kontrolle ihres Alltags, Überwachung, Zugriff auf Daten, Informationen, Bewegungen. Dazu gibt es gewiss auch Anlass genug, doch was in einigen Kreisen an Ängsten und Aggressionen zutage tritt, hat meist keinen Bezug mehr zu Realität.

Da werden Absichten vermutet und Plots erdacht, gegen die so mancher Endzeitthriller wie ein Märchenabend anmutet. Am Ende dieser Art von Verschwörungserzählungen stehen wieder die bösen Mächte, gegen deren Zugriff man sich, auch mit den Mitteln der Gewalt, wehren müsse.

Verschwörungstheorien und Mythen umgeben uns schon lange

Verschwörungsmythen umgeben uns schon lange, vielleicht wird jetzt erst klar, dass es welche sind. Wenn sich nun einige dieser Milieus auf den „Hygienedemos“ oder im Netz treffen, dann weil sie alle eines gemeinsam haben. Es geht ihnen nicht um Solidarität mit denen, die gerade jetzt besonders zu leiden haben.

Was sie wollen: sich selbst zu überhöhen, indem sie behaupten, das eine Mittel zu kennen, um dem Bösen ein Ende zu machen. Was sie wollen: einen Schuldigen für jedes Problem zu identifizieren. Und, wenn kurz vor dem drohenden Weltuntergang nötig, diesen Feind notfalls zu vernichten.

Jetzt gerade dreht sich die Verschwörungsmaschinerie um Corona. Zu verstehen, wie sie arbeitet, hilft vielleicht bei der nächsten Welle. Denn die wird kommen.

Von Anetta Kahane 

Bill und Melinda Gates haben das Coronavirus erschaffen, um die Welt zu regieren und die Menschheit durch Zwangsimpfungen zu kontrollieren. Was an der Verschwörungstheorie zu Bill Gates und dem Coronavirus dran ist. Eine Analyse.

Auch andere Verschwörungstheorien zum Corona grassieren im Netz. Sind so gruselig wie ein Horrorfilm. Die Kolumne.

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa

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