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Verschenkte Jahre

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Von: Ulrich Krökel

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Der empathische Blick zurück ersetzt aber keine zukunftsgerichtete Politik. Ein Kommentar.

Eine Kranzniederlegung, ein paar freundlich mahnende Worte – das war’s. Angela Merkel absolvierte ihre wohl letzte Polenreise als Kanzlerin eher pflichtschuldig. Polens Präsident Andrzej Duda seinerseits ließ sich entschuldigen und fuhr nach Schlesien. Der trostlose Abschied war umso bitterer, als der Kanzlerin das Verhältnis zu den Nachbarn im Osten besonders am Herzen lag.

Seit 2015 jedoch, seit in Warschau die rechtsnationale PiS regierte, steckte die polenbegeisterte Kanzlerin in einer Zwickmühle. Merkel entschied sich für eine Strategie des Beschwichtigens. Gelegentlich mahnte sie oder drohte sogar leise. Ansonsten verlagerte die Kanzlerin ihr Engagement auf die Geschichtspolitik und die Gedenkkultur. Merkel hat viel dafür getan, dass das historische Leid unserer östlichen Nachbarn stärker ins Bewusstsein der Deutschen gerückt ist. Das war gut und richtig.

Der empathische Blick zurück ersetzt aber keine zukunftsgerichtete Politik. Und da hat Merkel unter dem Strich sechs lange Jahre verschenkt. Die harten Streitthemen delegierte sie nach Brüssel. Die EU-Kommission jedoch wartete auch nur ab und ließ Kaczynski gewähren. Aktuell scheint sich das zu ändern. Man kann nur hoffen, dass es nicht zu spät ist.

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