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Vernebelte Schuld

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Von: Stephan Hebel

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Der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki auf der Münchner Sicherheitskonferenz.
Der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki auf der Münchner Sicherheitskonferenz. © afp

Der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki spricht von "jüdischen Tätern". Damit stellt er sie auf eine Stufe mit Nazis. Ein Kommentar.

Nein, natürlich hat er den Holocaust nicht leugnen wollen. Die „jüdischen Täter“, die Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki erwähnt hat, sind ihm wahrscheinlich nur rausgerutscht. So jedenfalls klingen die Rechtfertigungsversuche der Regierung in Warschau.

Das ist die Masche, die man in Deutschland von der AfD kennt, die aber anderswo längst zum Regierungston gehört. In diesem Fall geht sie so: Israel kritisiert Polen, weil es gegen falsche Bezeichnungen wie „polnische Vernichtungslager“ mit dem Strafrecht vorgeht. Polen ist darüber verärgert, also schwadroniert der Regierungschef von „jüdischen Tätern“.

Dass er damit den Holocaust relativiert, zu dessen Opfern ja auch sehr viele Polen zählten, ist dem Mann offenbar egal. Und eine Relativierung ist es sehr wohl. Nicht, weil es „jüdische Täter“ (wie polnische, die er ebenfalls erwähnte) nie gegeben hätte. Sondern weil er mit dem Begriff „Täter“ diese Gruppen auf eine Stufe stellt mit den Nazis: Wenn irgendwie alle Täter waren, verschwindet die Schuldfrage im rhetorischen Nebel – und mit ihr die Schuld polnischer Kollaborateure. Hinterher heißt es, man habe es nicht so gemeint. Aber der braune Teil der eigenen Gefolgschaft wird trotzdem applaudieren.

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