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Den Jungen fehlt der Glaube daran, dass sie eine Zukunft haben werden, und den Alten, dass die Jungen eine Zukunft erwarten können, wie sie selbst eine gehabt hatten.
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Den Jungen fehlt der Glaube daran, dass sie eine Zukunft haben werden, und den Alten, dass die Jungen eine Zukunft erwarten können, wie sie selbst eine gehabt hatten.

Auslese

Verlorene Zukunft

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Wie problematisch ist Generationengerechtigkeit?

Goethes Vorstellung von einer Generationengerechtigkeit war stark auf die Gegenwärtigkeit fokussiert. Seine Vorstellung von der Weitergabe der Habseligkeiten an die Nachgeborenen war gewissermaßen an Bedingungen geknüpft. „Was du von den Vätern hast ererbt, erwirb es, um es zu besitzen“, lautete seine Idee vom Umgang mit den überlassenen Vermögenswerten. In den kulturellen Sprüchekanon hat es der Satz aber wohl vor allem als moralische Verpflichtung für die Jungen geschafft, die hinterlassenen Güter nicht einfach zu verprassen. Und das alles ohne intime Kenntnisse vom modernen Finanzkapitalismus und dessen Beziehung zur Rentenformel.

Über das unterschiedliche Verhältnis angrenzender Generationen zum Erbe wird indes noch immer gegrübelt. In der Zeitschrift Lettre befasst sich der Soziologe Heinz Bude ausführlich mit dem in seinen Augen unhaltbaren Begriff der Generationengerechtigkeit. „Das Prinzip der Generationengerechtigkeit beruht auf dem Glauben an eine lineare Entwicklung der Welt. Nur unter dieser Voraussetzung lässt sich ernsthaft annehmen, dass Lasten und Gewinne sich gleichmäßig entwickeln. Wenn jedoch die Sprünge, Kehrtwendungen und Auswüchse gewöhnlich sind, dann ist eine Gerechtigkeit zwischen den Generationen undenkbar. Denn die Welt, in der wir leben, ist, obwohl wir für sie Verantwortung empfinden, nicht immer dieselbe.

Jede Generation befindet sich vielmehr in einer einzigartigen Welt, die sie für sich erschließen muss.“ Die Frage der Gerechtigkeit, folgert Bude ganz goetheanisch, sei deswegen nicht von der Frage der Treue zu sich selbst zu trennen. Bude führt jedoch noch ein anderes Motiv zur Bewertung der Generationengerechtigkeit ein. „Eine Strategie der jungen Generation bestand im 20. Jahrhundert darin, sich als Repräsentantin einer neuen Zeit aufzuspielen, für die den Alten der Mut und die Kraft fehlen sollten. Wenn eine junge Generation heute dagegen Generationengerechtigkeit fordert, dann verlangt sie von der alten Generation, dass sie Sorge für die Nachkommen trägt und die Welt für jene bewohnbar hält, die nach ihnen kommen und die ebenfalls ein lebenswertes Leben führen wollen. Die Forderung nach einer neuen Zeit hat sich also in ihr Gegenteil verkehrt.“

Zur Rücksichtslosigkeit der Alten, so Bude, gehört inzwischen auf fatale Weise die Zukunftslosigkeit der Jungen. „Gemeinsam ist allen Beteiligten, dass sie keinen Glauben an die Zukunft haben: Den Jungen fehlt der Glaube daran, dass sie eine Zukunft haben werden, und den Alten, dass die Jungen eine Zukunft erwarten können, wie sie selbst eine gehabt hatten. Die Forderung nach Generationengerechtigkeit ist, so gesehen, Ausdruck des Abschieds von einem historischen Bewusstsein, das die Abfolge der Generationen als einen nach vorne offenen und den Geschichtsprozess selber öffnenden Weg durch die Zeithorizonte begreifen könnte.“

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