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Verlierer und Held

Kommentatoren beschäftigen sich mit der Kommunalpolitik Bremens.

Carsten Sieling hat in Bremen für viele eine tragische Rolle gespielt. Der Oberbürgermeister ist zum einen mitverantwortlich für ein schlechtes Ergebnis bei der Landtagswahl. Zum anderen hat der Sozialdemokrat die geplante rot-grüne-rote Koalition ermöglicht, bevor er dann zurücktrat.

Dazu schreibt die „Osnabrücker Zeitung“: „Nun also doch. Noch-Bürgermeister Carsten Sieling übernimmt die Verantwortung für die harte Wahlschlappe der Sozialdemokraten bei der Bürgerschaftswahl im Mai. Das war überfällig. Denn die SPD hat eine langjährige Bastion verloren und ist erstmals seit 73 Jahren nicht mehr stärkste Partei in der Bremer Bürgerschaft. Ein einfaches ‚Weiter so‘ war folglich nicht möglich. Sielings Verzicht aufs Bürgermeisteramt befreit Rot-Grün-Rot nun von diesem Makel, allerdings nur teilweise. Denn es bleibt der Schönheitsfehler, dass nicht die stärkste Fraktion, sprich die CDU, den Regierungschef stellt. Aber das geht auf die Kappe der Grünen, die lieber mit SPD und Linken kooperieren wollten als mit CDU und FDP.“

Die „Leipziger Volkszeitung“ meint: „Zwar hatte er seine SPD bei der Wahl auf ein Allzeit-Tief geführt. Danach aber war er immerhin stark genug, zumindest ein Abwehrbündnis mit Grünen und Linkspartei zusammenzuzimmern. Im Verzicht Sielings aufs Spitzenamt wird mancher jetzt sogar hanseatische Noblesse erkennen. Sieling hat das rot-grün-rote Bündnis in der Tat nicht für sich selbst geschaffen, sondern für seine Partei. Von Edelmut zu sprechen, wäre aber übertrieben.“

Die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ findet: „Die SPD ist in Bremen noch so intakt, dass dort niemand von ‚Erneuerung in der Opposition‘ fabuliert, man will regieren, wie immer. Die Grünen haben an der Seite einer matten, einfach nur weitermachenden SPD mehr Einfluss als im Bündnis mit den Neulingen von der CDU, die vieles in ihrem Sinne hätten ändern wollen. Die Linkspartei freut sich, dass Rot-Grün-Rot erstmals in einem westdeutschen Bundesland vorgeführt werden kann. All dies addiert sich zur geradezu zwingenden Logik des Bündnisses in Bremen.“

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