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Verkehrung der Dinge

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Alles nicht so schlimm bei der Bundeswehr, heißt es plötzlich, keine strafrechtliche Verfolgung. Aber die Vorfälle hat es eindeutig gegeben.

Plötzlich wirkt es so, als sei alles nicht so schlimm gewesen. Erniedrigungen und sexuell konnotierte Ausbildungspraktiken in der Kaserne Pfullendorf – Kleinigkeiten, kein Skandal, sondern ein Hirngespinst zweier Drama-Queens – einer Soldatin, die halt nicht weiterkam bei der Truppe, und einer Ministerin, die weit gekommen ist mit ihrem Gespür für Schlagzeilen. So liest sich das Schreiben, in dem eine Staatsanwaltschaft begründet, warum sie keine strafrechtlichen Probleme bei den Vorfällen sieht.

Es ist eine seltsame Verkehrung der Dinge. Es hat sie ja gegeben, die Aufnahmerituale. Die mögen die Staatsanwaltschaft nicht interessieren, aber die Grenzen der Belästigungen beginnen nicht erst im Strafgesetzbuch. Die Vorgesetzten, die sich nun als Opfer fühlen, fühlen sich unschuldig, weil sie von Verfehlungen angeblich nichts mitbekommen haben.

Sie zeigen mit den Fingern auf die Falschen. Hätte die Ministerin angesichts der Ereignisse in Pfullendorf und anderswo von Kleinigkeiten gesprochen, dann wäre etwas los gewesen. Zu Recht.
 

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