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US-Präsident Donald Trump lässt die Europäer stärker zusammenrücken.

Europäische Union

Verblendung oder Weltoffenheit

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Täglich betonen Politiker, Europäer müssten sich zusammenraufen, wenn sie Freiheit und Wohlstand sichern wollen. Sie rüsten verbal gegen Trump auf. Ein Kommentar.

Die verstörende Darbietung des US-Präsidenten Donald Trump schärft in Europa das Bewusstsein für Wert und Nutzen des gemeinsamen Projekts. Täglich betonen Politiker, Europäer müssten sich zusammenraufen, wenn sie Freiheit und Wohlstand sichern wollen. Am Montag war François Fillon, der Präsidentschaftskandidat der französischen Konservativen, zu Gast bei der Kanzlerin. Er sagte: „Die amerikanische Politik wird uns nichts schenken, wir müssen uns dementsprechend organisieren.“ Das sehen die Kanzlerin und ihr Vize ähnlich.

Der Machtwechsel in Washington wird dazu führen, das die Europapolitik wieder ins Zentrum der politischen Debatte rückt. Das ist überfällig. Es gibt genug zu tun: Die Europäer müssen ihre Währungsunion reparieren, Verteidigungsstrukturen aufbauen und Antworten auf die Flüchtlingskrise finden.

In diesem Jahr wird in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden gewählt. Die Rechtspopulisten werden versuchen, die proeuropäischen Kräfte vor sich herzutreiben. Trumps Wahlsieg und das Brexit-Votum geben ihnen Auftrieb. Die Antwort darauf kann nicht Kleinmut sein, sondern nur der offene Kampf: Den Wählern muss klar sein, dass sie sich entscheiden zwischen nationaler Verblendung und Weltoffenheit, zwischen Laissez-faire und dem europäischen Sozialmodell. Wegducken geht nicht mehr.

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