+
Gleichberechtigung und Integration lassen sich nicht durch Verbote allein erreichen.

Kommentar

Wo verbieten nicht hilft

  • schließen

Ein Burkaverbot klingt verführerisch, aber es könnte das Gegenteil bewirken: Dass Frauen, die Unterstützung brauchen, noch weiter in die Isolation gedrängt werden.

Ein Burkaverbot klingt erst einmal gut: Die Gegner von Verschleierung der Muslimas feiern das Verbot als Befreiung der Frauen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Anstatt den Frauen zu helfen, sich aus unterdrückenden Strukturen zu lösen, werden einige von ihnen vermutlich weiter in die Isolation gedrängt.

Denn es ist doch so: Frauen, die sich vollverschleiern müssen, kommen aus Familien, in denen patriarchalisches Denken die Norm ist. Ein Verbot ändert das nicht. Es riskiert stattdessen sogar die Gefahr, dieses Denken zu verstärken. Dann verlassen viele der Frauen vielleicht nur noch selten oder gar nicht mehr das Haus – weil ihre Familien nicht jedes Mal aufs Neue die Strafe für das öffentliche Tragen der Verschleierung zahlen wollen. Was ist also damit erreicht? Eine Art kleiner Parallelgesellschaft, in die Frauen aus dem öffentlichen Leben verbannt werden.

Gleichberechtigung und Integration lassen sich nicht durch Verbote allein erreichen. Was es braucht, ist der ernsthafte Wille, den Frauen zu signalisieren: Ihr gehört dazu. Sei es durch Sprachkurse, kulturelle, sportliche oder sonstige Angebote. Plumpe Symbolpolitik und die einfache „Lösung“, alles zu verbieten, was nicht ins eigene Weltbild passt, sind jedenfalls der falsche Weg.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare