US-Wahl 2020

Kommentar zur US-Wahl 2020: Die USA zwischen Donald Trump und Joe Biden – ein gespaltenes Land

  • Andreas Schwarzkopf
    vonAndreas Schwarzkopf
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Offensichtlich fühlen sich auch nach der vierjährigen Amtszeit von Donald Trump mehr Menschen in den USA vom technischen Fortschritt abgehängt als von vielen wahrgenommen. Ein Kommentar.

Noch ist die US-Präsidentschaftswahl nicht entschieden, was als ein Erfolg für Amtsinhaber Donald Trump gewertet werden muss. Er lag in den Umfragen wochenlang deutlich hinter dem demokratischen Herausforderer Joe Biden. Doch die US-amerikanischen Wählerinnen und Wähler machen es spannend, was Erinnerungen an den vorangegangenen Urnengang weckt, als Trump triumphierte und Hillary Clinton schlug.

US-Wahl 2020: Donald Trump und Joe Biden setzen Wahlkampf fort

Doch diesmal ist die Wahl noch nicht wie 2016 am Mittwochmorgen entschieden. Nun wird weiter spekuliert, wann das Ergebnis feststeht und wie sehr Gerichte eingreifen, ob es noch die befürchteten Tumulte gibt oder nicht. Diese Unsicherheit wird noch Stunden oder wenige Tage anhalten. Solange werden die verschiedenen Anhänger der Republikaner und Demokraten weiter für ihren Kandidaten und dessen politischen Ziele fiebern. Die Demokraten werden weiter auf einen Befreiungsschlag für die Demokratie hin fiebern, die Republikaner von weiteren vier Jahren America first träumen. 

Und die beiden Kandidaten setzen in gewisser Weise ihren Wahlkampf fort. Donald Trump behauptet ohne Fakten zu nennen weiter, sie wollten seinen Wahlsieg stehlen. Dies lässt weiter befürchten, dass es gewalttätig werden könnte. Joe Biden gibt sich zuversichtlich, obwohl er und seine Demokraten mit deutlich besseren Resultaten gerechnet hat.

Lehren aus der US-Wahl 2020: USA sollten ihr Wahlsystem reformieren

Es gibt allerdings auch erste Lehren. So sollten die USA endlich ihr Wahlsystem reformieren, damit es nicht zu solch unübersichtlichen Resultaten kommt oder widersprüchlichen Aussagen wie beim Duell zwischen Trump und Clinton, die bundesweit die meisten Stimmen erhielt, aber dennoch nicht ins Weiße Haus einziehen durfte. Eine Wahlreform dürfte allerdings ein frommer Wunsch bleiben.

Das Kopf-an-Kopf-Rennen zeigt erneut, wie gespalten die USA sind. Offensichtlich fühlen sich auch nach der vierjährigen Amtszeit Trumps mehr US-Amerikanerinnen und US-Amerikaner abgehängt vom technischen Fortschritt als von vielen wahrgenommen. Die nächsten Tage werden nicht nur politisch unsicher, sondern wird auch die Märkte verunsichern, was in Zeiten der Corona-Krise nicht hilfreich ist.

Joe Biden und Donald Trump - wer wird am Ende gewinnen?

US-Wahl 2020: USA werden schwieriger Partner für Deutschland und die EU bleiben

Auch Deutschland und die anderen EU-Staaten werden weiter warten müssen. Doch selbst bei einem Wahlsieg Bidens werden die USA ein schwieriger Partner bleiben. Joe Biden würde zwar sicher den Austritt der Vereinigten Staaten aus dem Pariser Klimaabkommen rückgängig machen und auf seine europäischen Verbündeten zugehen und mit ihnen deutlich freundlicher sprechen als Donald Trump.

Biden würde auch die Nato nicht in Frage stellen, aber den Druck auf die Europäer beim Teilen der Lasten hoch halten. Biden würde mit seinen Demokraten zudem den Konflikt mit China fortsetzen, was Europa ebenfalls weiter unter Druck setzen würde, die Politik zu ändern. Deutschland und die anderen EU-Staaten werden also deutlich klarere Antworten bei diesen Fragen finden müssen. Denn zusätzlich will auch China seine Politik ändern und sich von Importen weniger abhängig machen, wie der jüngste Fünf-Jahres-Plan verdeutlicht.

US-Wahl 2020: Europa wird auch mal Nein sagen müssen

Wenn die Europäer allerdings weiter so geschlossen vorgehen wie etwa gegenüber Trumps Handelspolitik, muss einem allerdings nicht bange sein. Sie werden ihre Interessen klarer formulieren müssen, auch mal Nein sagen müssen und bei der sicherheits- und Verteidigungspolitik mehr Verantwortung übernehmen. (Andreas Schwarzkopf)                    

Rubriklistenbild: © afp/JIM WATSON MANDEL NGAN

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