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Unrecht folgt Unrecht

  • Arno Widmann
    VonArno Widmann
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Wiedergutmachung gab es in BRD und DDR kaum.

Noch bis zum 14. Januar ist die Ausstellung „Verfahren. ‚Wiedergutmachung‘ im geteilten Berlin“ zu sehen, in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Zur Ausstellung ist ein Buch erschienen. Auf 40 Seiten werden unterschiedliche Einstellungen und Verfahren, ihre Entwicklung in BRD und DDR dargestellt. Dann folgen 27 Einzelfälle, vom Kunstmaler Fritz Ascher (1893-1970), der zwar getauft, aber nach den Nürnberger Gesetzen Jude war, bis zum Teppichhändler Nissim Zacouto (1890-1987). Das Entschädigungsamt konstatierte 1951 bei Ascher Gesundheitsschäden. Die hätten aber mit seinem KZ-Aufenthalt nichts zu tun. Sie seien erst nach Ende des Krieges aufgetreten.

Auch Zacoutos Antrag auf Entschädigung wurde abgewiesen. Er sei, hieß es, zwar Jude, aber als Bürger des „türkischen Staates nicht ohne weiteres Verfolgungen aus rassischen Gründen ausgesetzt“ gewesen. Zacouto war 1939 aus Nazideutschland geflohen und hatte die Restituierung des Wertes seines zurückgelassenen Teppichlagers gefordert. 1960 wurde ihm endlich eine lebenslange monatliche Rente von 630 D-Mark und eine einmalige „Entschädigung“ von 50 000 DM gewährt. Zacouto hatte einen gutgehenden Teppichhandel in Paris und damit die Mittel, Anwälte zu beschäftigen und die deutschen Behörden unter Druck zu setzen.

Der anarchistische Abenteurer, Künstler und Kneipier Jack Bilbo (1907–1967) schrieb 1953 an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Entschädigungsamtes: „Die Nazis haben die Juden ermordet und beraubt, aber waren wenigstens anständig genug, sich als Feinde zu bekennen. Das Entschädigungsamt behält die Gelder der ermordeten Juden und unter der Maske der Hilfsbereitschaft foltern sie die überlebenden Juden durch Versprechungen, Hinhaltungen und Verweigerung, ihnen das zukommen zu lassen, was ihnen gehört.“

Wilhelm Bonnemann (1898-1965) war als politischer Widerstandskämpfer von 1938 bis 1945 im KZ Sachsenhausen interniert gewesen. 1951 stellte er einen Antrag auf Entschädigung. Die wurde ihm verweigert. Nach Paragraf 2, Absatz 1, Ziffer 4 des Entschädigungsgesetzes, so teilte ihm die Behörde im November 1952 mit, „sind Personen von der Entschädigung ausgeschlossen, die als Anhänger eines totalitären Systems die demokratische Staatsform bekämpfen“. Bonnemann klagte. Nach mehreren Prozessen bekam er recht. Kurz darauf starb er.

Die DDR erkannte Margarete Merker nicht mehr als „Verfolgte des Naziregimes“ an, als ihr Mann, ZK-Mitglied Paul Merker, ins Zuchthaus kam. Generell restituierte die DDR die ‚arisierten‘ jüdischen Vermögen nicht, sondern überführte sie in ‚Volkseigentum‘. Arno Widmann

Verfahren, Gedenkstätte Deutscher Widerstand (Hg.), Lukas Verlag, 199 S., 20 Euro.

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