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Recep Tayyip Erdogan bei einer Wahlkampfveranstaltung.

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Unerhörter Affront

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In Erdogans Türkei wird unbescholtenen Journalisten stellvertretend für ihre Regierung gegen das Schienbein getreten.

Die Verweigerung von Pressekarten für drei deutsche Korrespondenten in der Türkei ist ein beispielloser Affront gegen Deutschland. Es ist ein Alarmzeichen, dass sich in Ankara grundsätzliche Gewichte verschoben haben. Im „Palast“ des Autokraten Recep Tayyip Erdogan regieren inzwischen antiwestliche Hardliner, die jede Kritik als Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten empfinden.

Früher wurde die Akkreditierung unliebsamer Reporter gegebenenfalls ewig verschleppt, heute wird unbescholtenen Journalisten stellvertretend für ihre Regierung gegen das Schienbein getreten. Vor allem der Angriff auf das ZDF beweist, für wie schwach man die deutsche Regierung hält, erpressbar wegen des Flüchtlingsdeals und deutscher Geschäftsinteressen. Das unerhörte Vorgehen zeigt leider auch, dass die Alarmglocken in Berlin nicht mehr gehört werden. Angela Merkel persönlich verstand es in den Vorjahren, die Pressekartenkonflikte hinter den Kulissen zu regeln. Sie hat diesmal darauf verzichtet. Weil man ihr im eigenen Haus ihre Flüchtlingspolitik zum Vorwurf macht? Falls die Pressekartenverweigerung nicht zurückgenommen wird, hilft gegen die Provokation aus Ankara nur die harte Kante – wirtschaftliche Sanktionen, das einzige Druckmittel, das Erdogan wirklich versteht.

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