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Champagner auf der Eisscholle: Kreuzfahrt in der Antarktis.

Umweltschutz und Zeitgeist

Umweltschutz: Schneller leben? Kernprobleme schneller lösen!

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Die Geschwindigkeit gehört mittlerweile zur modernen Gesellschaft dazu. Vieles ist im wandel - gut so. Aber Kernprobleme müssen schneller gelöst werden. Die Kolumne.  

Eigentlich war der Begriff „Spontis“ nicht sonderlich positiv besetzt, schon gar nicht in konservativen Kreisen. Zur Erklärung für die Jüngeren: Spontis, das waren nach der 68er Studentenbewegung Menschen, die sich jeglichen Konventionen widersetzten.

Sie wollten sich nicht von links instrumentalisieren lassen und erst recht nicht von rechts und verstanden sich als antiautoritäre Bewegung gegen alles. Mit solchen Subjekten lässt sich keine funktionierende Gesellschaft bilden, war damals die einhellige bürgerliche Meinung. Spontaneität galt nicht als taugliche Tugend, um ein ordentliches Staatsgebilde zu unterhalten. Das ist nun fast ein halbes Jahrhundert her – und alles ist anders.

Tempo - Merkmal einer ganzen Gesellschaft

„Schneller leben“, das war noch in den Achtzigern der Slogan eines Magazins mit dem bezeichnenden Namen „Tempo“. Mittlerweile ist er trotz aller Entschleunigungsversuche zum Merkmal einer ganzen Gesellschaft geworden, im Kleinen wie im Großen.

Ein Brief ist auf Knopfdruck beim Empfänger, ein Mittagessen in Sekunden im Magen und ein Mensch flugs in New York. Sogar grundsätzliche epochale Umwälzungen dauern keine Generationen mehr, sondern nur wenige Jahre. Da geht in Japan ein Kraftwerk hoch, und kurz später steigen wir aus der Atomkraft aus.Da werden Abgase von Dieselfahrzeugen als schädlich befunden, und schon verhängen Städte Fahrverbote.

Elanvoller Drang zur Veränderung

Da wird man plötzlich der (seit Jahrzehnten existierenden) Plastikmeere in den Weltmeeren gewahr, und schon gibt es in den Supermärkten nur noch Papiertüten. Oder wer hätte gedacht, dass Öko-Produkte mit einmal als selbstverständlich gelten, notorische Hühnerquäler nun auch Biovieh züchten, Städte vor Radfahrern schier überquellen, Autos von mehreren benutzt werden und eine Umweltschutzpartei die stärkste im Lande ist?

Dieser elanvolle Drang zur Veränderung hat auch Schattenseiten, wie etwa das Aufkommen einer Partei, die sich als Alternative für Deutschland sieht. Doch das Positive überwiegt. Und obwohl „die da oben“ immer als lahm, träge und gestrig benölt werden, darf man feststellen, dass die meisten dieser Umwälzungen die Folge politischer Entscheidungen waren – zugegeben auf Drängen von Volkes Wille.

Kernprobleme bedürfen dringlichst einer Lösung

Die Industrie hingegen setzte bislang leider keine Akzente. Ihr blieb nur ein viel zu spätes Reagieren. So basteln deutsche Autobauer nach jahrzehntelangem Tiefschlaf nun Tag und Nacht an Alternativen zum Verbrennungsmotor und sogar die Deutsche Bahn hat sich einen neuen Kurs ins Buch geschrieben und gelobt, den Bedürfnissen der modernen Mobilität endlich nachzukommen.

Das ist schön – doch viel zu wenig. Einige Kernprobleme bedürfen dringlichst einer Lösung. Das kann aber spontan geschehen, wie wir nun wissen. Die Themen wären, mal die wichtigsten auf die Schnelle aufgezählt: Besteuerung von Flugbenzin, Verbot von innerdeutschen Flügen, Nachtflugverbot von 20 bis 8 Uhr, Rückbau des Frankfurter Flughafens,Luxussteuer auf Kreuzfahrtreisen, Einführung einer Kohlendioxid-Steuer, Tempolimit von 130 auf Autobahnen, Tempo 30 in Städten und zusätzlich kostenloser öffentlicher Personennahverkehr.

Soweit die Umweltthemen. Zu anderen wie der Rücknahme des Einwanderungsgesetzes kommen wir ein anderes Mal – aber nicht erst in einigen Jahren. Denn wenn wir schon mal in Fahrt sind …

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