Kommentar

Überlasteter Schild

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Griechenland ist überfordert mit der Scherung der Außengrenze und der vielen Flüchtlinge, weshalb die anderen EU-Staaten dem Land helfen müssen. Der Kommentar.

Vom „Schild Europas“ schwärmt EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen in irritierend martialischer Wortwahl. Ein Kompliment, das viele Griechen freut – aber mitnichten zufriedenstellt. Griechenland ist überfordert. Mit der Sicherung der EU-Außengrenze, mit der Aufnahme Zehntausender Geflüchteter, mit der Bearbeitung ihrer Asylanträge – ganz zu schweigen von der Integration der Menschen.

Das Land ist schwer gezeichnet von der Wirtschaftskrise. Es braucht die Hilfe Europas. Mit der Entsendung einiger Grenzbeamter und Asyl-Sachbearbeiter ist es nicht getan. Die Aufnahme einiger Flüchtlingskinder ist gewiss die Rettung für die Betroffenen und eine Gewissensentlastung für Politiker und Bürger hierzulande. Das Elend auf den Inseln aber endet damit nicht.

Die Überlastung Griechenlands macht klar, dass das EU-Asylsystem reformiert werden muss. Die im Dublin-Verfahren festgeschriebene Ungerechtigkeit, wonach einzig der Staat, in dem ein Flüchtling erstmals EU-Boden betritt, für diesen zuständig ist, muss beseitigt werden. Alle EU-Staaten müssen sich ihrer Verantwortung stellen. Dafür muss sich die Kanzlerin auf EU-Ebene einsetzen. Andernfalls zerbricht der „Schild Europas“. Eine weitere Krise wäre die Folge.  

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