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Olaf Scholz will keine Polizeigewalt wahrgenommen haben.

G20 in Hamburg

Vom tumben Umgang mit G20

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Über G20 in Hamburg wurde einiges gesagt, jedoch längst nicht alles analysiert. Mit gewissen Ereignissen könnte man nämlich durchaus anders als tumb umgehen. Die Kolumne.

Eigentlich dürfte ja über die Hamburger Unruhen alles gesagt und geschrieben sein – analysiert hingegen ist es längst nicht. Ganz im Gegenteil. Je mehr Zeit ins Land geht, desto konfuser wird das Gesamtbild – geschürt von sich an Bizarrerie immer wieder überbietenden Reaktionen.

Einer der Gipfel des allgemeinen Tumbheitsgebarens war die Nummer Wolfgang Bosbachs bei der Maischbergerin. Ist es wirklich so armselig bestellt um den Zustand der geistigen Elite der deutschen Konservativen? Anscheinend, wir haben es alle gesehen. Ich fand das schade. Denn was hatte ich mich auf diese Sendung gefreut!

Tumbes Gebaren von Bosbach bei Maischberger

Zuerst war ich enttäuscht über die Absage von Edelflüchtling Erika Steinbach. Statt ihrer wurde dann Jutta Ditfurth geladen. Das geschieht nur noch selten, wohl weil sie eine der wenigen ist, die kraft Wissens und rhetorischer Kunst die meisten anderen Talkshowgäste an die Wand argumentiert.

Nicht so Bosbach. Ditfurth musste gar nicht erst ihre Trümpfe ziehen, sondern nur einige Vorfälle in Hamburg sachlich schildern, da hatte der sich schon selbst geschlagen. Es war kein Sieg nach Punkten, sondern ein kampfloser Knock Out. Der Mann war so entlarvend arm an Argumenten, dass ihn jede Mittelstufensprecherin eines x-beliebigen Gymnasiums mit wenigen Sätzen außer Gefecht gesetzt hätte. Da bedurfte es längst keiner Ditfurth.

Die armselige Reaktion der Maischbergerin daraufhin („Frau Ditfurth, jetzt muss ich Sie auch bitten, die Sendung zu verlassen“) spricht übrigens ebenfalls Bände. Immerhin hat sie sich dafür hinterher entschuldigt.

Doch liebe Genossen von der SPD, nun nicht jubeln. Von euch kommt doch auch nur Dünnsinn. Behauptet doch euer Scholz, von der Polizei sei keinerlei Gewalt ausgegangen. Hallo! Ooooolaf! Ist jemand daheim in Deinem Gehirnkasterl? Geh’ mal runter auf die Straße, lass Dir von einem Kind auf dem Handy Youtube anmachen. Da laufen so Filmchen. Nein, nicht Ilse Aichinger oben ohne. Das ist ein Fake. Jaaa, das ist nun richtig. Bilder von den Hamburger Unruhen. Und was siehst Du da hundertfach? Was machen die kleinen schwarzen Polizeimännchen? Nein, Olaf, das sind keine alternativen Fakten. Das ist die Wahrheit.

Heiko Maas und der „Rock gegen Links“

Damit dürfte eigentlich genug gesagt sein, dennoch, lieber Heiko Maas: Willst Du allen Ernstes ein Festival namens „Rock gegen Links“? Was meinste denn, wer da auftreten soll? Lieber Heiko, so etwas gab es gerade letztes Wochenende in Thüringen. Mit Bands wie „Stahlgewitter“, „Blutzeugen“ und „Treueorden“. Vor 6000 Zuschauern. Ist es das, was Dir vorschwebt? Oder was soll der Schwachsinn?

Worauf ich hinaus will: Die Hamburger Vorfälle waren schlimm. Doch nun sind nicht Ausflüchte gefragt, sondern Analysen. Die wichtigste wäre: Wie konnte es zu solch einer Eskalation kommen? Wie viel Schuld trägt die Taktik der Polizei, doch viel wichtiger: Die meisten der Gewalttäter waren nicht organisierte Banden der bösen Linken, das ist erwiesen. Was aber trieb die anderen Menschen dazu, Steine zu werfen? Gewiss nicht die Lust an der Dollerei.

Manche Menschen sind hoffnungslos, verbittert, verzweifelt, verhärmt. Und es hat seine Gründe, warum sie bei einem G20-Gipfel in Rage gerieten und nicht bei einer Misswahl oder einer Mastochsenschau. Das ist ein klarer Auftrag an die Politik.

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