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Wie soll der Widerstand gegen Trump aussehen?

Donald Trump

Trumps schwer entflammbares Auto

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Wie weit darf der Widerstand gegen US-Präsident Donald Trump gehen? Ist der Aufruf zur Gewalt gerechtfertigt oder eher nicht? Die Kolumne.

Man wird alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu. Ich gucke deshalb ganz gern, was andere Kolumnisten ausschwitzen. Michael Herl etwa äußerte neulich an dieser Stelle einen Wunsch: Der Widerstand gegen US-Präsident Donald Trump möge sich „hoffentlich so fortsetzen und noch verstärken – notfalls auch mit Gewalt“. Es könne also sein, das schreibe er „ganz bewusst“, dass „Autos brennen müssen, Schaufenster zersplittern und Fäuste fliegen.“

Es muss also brennen. Splittern. Auf die Fresse. Ich habe, klar, auch so meine Hate-Speech-Momente. Uncharmante Sachen haut auch der kreuzbravste Zeilenschmied mal heraus, im Brass und unter Dreien. Aber ein Gewaltaufruf, ganz bewusst und in der liberalen Traditionspresse, hoppla, das ist mir neu.

Die Lage ist ernst. Darin stimme ich mit Kollegen Herl überein. Indes verstört mich sein Nachsatz, mit dem Notwehrappell seien „nicht nur die Menschen in Nordamerika“ gemeint, „sondern auch wir“. Ich bin da aber eher der Schisser. Ich denke gleich an Paragraph 111 Strafgesetzbuch: „Öffentliche Aufforderung zu Straftaten.“ Das bringt bis zu fünf Jahre. Außerdem halte ich Rechtsordnung und staatliches Gewaltmonopol für den Kern der Zivilisation. Ist das noch aktuell?

Es gibt auch praktische Aspekte. Trumps Auto gilt als schwer entflammbar. Sie nennen es The Beast. Armdicke Scheiben, bombensicheres Chassis. Angeblich fährt das Ding sogar weiter, wenn Panzerfäuste fliegen. Ich will jetzt niemanden entmutigen, aber, ehrlich, beim Cadillac One kommst du mit einem Molli oder Grillanzünder nicht weit. Es soll sogar Leute geben, die das Ding bewachen. Das heißt: Wenn unbedingt Autos brennen müssen, werden notfalls wohl andere angezündet. Irgendwelche. Egal.

Im vergangenen Jahr wurden allein in Berlin mindestens 346 Autos gebrandschatzt, oft aus Protest gegen das „Schweinesystem“. Manche Menschen lodern derart für die gute Sache, dass sie böse Kraftfahrzeuge anstecken müssen. Der Kapitalismus lacht sie aus. Er baut einfach neue Autos und wird dabei noch feister. Auch die Wagen von Frauke Petry (Seat) und Beatrix von Storch (BMW) hat man bereits oxidiert. Vielleicht wurden bei der handwerklichen Ausführung der Umerziehungsmaßnahme Fehler gemacht. Es hat jedenfalls nicht geholfen. Einen Effekt gibt es immerhin: Inzwischen brennen auch Autos von Flüchtlingshelfern.

Aus Platzgründen kann ich hier leider nicht erörtern, ob man im antifaschistischen Kampf nur Schaufenster von Bankfilialen einwerfen sollte oder es notfalls auch die Auslage eines Biomarkts tut. Und wenn erst die Fäuste gegen den politischen Gegner fliegen: Ist ein Jochbeinbruch genug oder der Gulag gerade richtig? Viele Wege führen nach Syrien.

Im ARD-Presseclub diskutierten sie gerade, wie man Trump loswerden könne. Eine Journalistin dozierte über Amtsenthebungsszenarien: Es drohe kompliziert zu werden. Als sie fertig war, wurde es still. Eine ratlose Pause auf der Suche nach einem „Ausweg aus der Trump-Katastrophe“. Dann warf „Zeit“-Herausgeber Josef Joffe, der Transatlantiker vor dem Herrn, trocken in die Runde: „Mord im Weißen Haus zum Beispiel.“ Das hatte ich im deutschen Fernsehen auch noch nicht gehört. Die Verhältnisse beginnen zu tanzen.

André Mielke ist Autor.

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