US-Präsident Trump verliert durch sein Versagen in der Corona-Krise auch im eigenen Lager an Rückhalt.
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US-Präsident Trump verliert durch sein Versagen in der Corona-Krise auch im eigenen Lager an Rückhalt.

Corona-Krise

Donald Trumps Drama

  • Marina Kormbaki
    vonMarina Kormbaki
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Der US-Präsident verliert durch sein Versagen in der Corona-Krise auch im eigenen Lager an Rückhalt. Kostet ihn das die Wiederwahl?

Donald Trump hat jetzt einen Ruf zu verteidigen: den des „sehr stabilen Genies“ (Trump über Trump). Als Beleg für seine angeblich überdurchschnittliche Geisteskraft führt der US-Präsident einen Kognitionstest an, den er mit Bravour gemeistert habe. Eine Behauptung, die Trump am Sonntag wiederholte, im Interview mit dem ihm lange sehr gewogenen rechten TV-Sender Fox News.

Doch der Fragesteller konterte. Er habe den Test ebenfalls gemacht, sagt der Journalist Christ Wallace. „Es ist nicht gerade der schwerste Test. Er zeigt ein Bild, darunter die Frage: Was ist das? Und zu sehen ist ein Elefant.“

Der Test, dessen Bestehen Trump als Ausweis für seine Eignung als US-Präsident anführt, ist offenbar eine Untersuchung zum Erkennen von Altersdemenz. Über die Fähigkeit zur akuten Bekämpfung einer Pandemie oder zur strategischen Einhegung Russlands und Chinas sagt er nichts aus. Dennoch prahlt Trump mit dem Resultat. Man kann dies mit Verblendung erklären. Oder auch mit Verzweiflung.

Weil vor vier Jahren so viele danebenlagen, traut sich jetzt kaum jemand eine Prognose zum Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen im November zu. Die Zurückhaltung ist wohltuend in einer Welt, in der kein Mangel herrscht an Rechthabern und Bescheidwissern. Im Angesicht einer tückischen Pandemie und ihrer unabsehbaren ökonomischen Folgen wirken Weissagungen erst recht anmaßend.

Berechtigte Vorsicht sollte jedoch nicht blind machen für die Anzeichen einer möglichen Abwahl Trumps. Eine zweite Amtszeit ist ihm keineswegs gewiss. Und vielleicht wird sich im Rückblick das Interview mit seinem einstigen Haussender Fox News als Schlüssel zum Verständnis einer Wahlschlappe erweisen. Vielleicht stand da bereits der Elefant im Raum – also das Unsagbare, aber doch Offensichtliche.

Fox News hat maßgeblichen Anteil am Wahlsieg Trumps und seiner Beliebtheit unter weißen US-Amerikanern. Doch die Allianz zwischen dem Präsidenten und dem Propaganda-Kanal bröckelt. Dass sich nun auch Fox-Kommentatoren kritisch über den Umgang Trumps mit der Corona-Krise äußern und dass der Sender Umfragen veröffentlicht, die Trump hinter seinem Herausforderer Joe Biden verorten, ist Ausdruck einer für den Präsidenten gefährlichen Absetzbewegung. Ihre Vertreter finden sich nicht nur in rechten Medien. Sie finden sich auch in Trumps Partei, den Republikanern.

In den zurückliegenden Jahren hat sich Trump die Partei zum Untertan gemacht. Dafür bedurfte es keines Zwangs. In willfährigem Opportunismus lieferten sich die Republikaner dem Mann im Weißen Haus aus – solange die Zustimmungswerte in ihrer Wählerschaft stimmten. Doch jetzt, da das Coronavirus Schneisen der Verheerung durch republikanisches Kernland zieht und der Präsident nichts dagegen tut, rücken immer mehr Republikaner von Trump und seinem Corona-Kurs ab.

Der noch amtierende Präsident ist offenbar bereit, über Leichen zu gehen. Fast 140 000 US-Bürgerinnen und -Bürger sind dem Virus erlegen. Eine nationale Katastrophe – über die Donald Trump kein Wort verlieren will, damit sie ja nicht mit seinem Namen verknüpft wird. Und wenn er doch darüber sprechen muss, wiederholt er seine Aussage, die Seuche werde schon von selbst verschwinden.

Mit Lügen und Zynismus mauert sich Trump in einer fiktiven Welt ein – weit weg vom Leid, der Ungewissheit und den Härten, für die sich republikanische Gouverneure und Bürgermeister vor Ort in Georgia, Texas, Florida oder Arizona verantworten müssen.

Endlich treten einige von ihnen entgegen den Ansagen des Präsidenten für eine Maskenpflicht und für die Befolgung wissenschaftlicher Empfehlungen zu Abstands- und Hygieneregeln ein. Endlich macht sich die Erkenntnis breit, dass schrankenlose Lockerungen, wie Trump sie propagiert, brutal sind – für die Bürger und fürs Business.

Aber auch für etwaige Ambitionen auf Wiederwahl: Zwei Drittel aller US-Amerikaner geben an, den Aussagen des Präsidenten in Sachen Corona zu misstrauen. Damit stellen sie die Loyalität der Republikaner zu Trump auf die Probe. Plötzlich kann allzu große Nähe zum Präsidenten zum Problem werden.

Abgesänge auf Trump wären dennoch verfrüht. Bläst ihm der Wind ins Gesicht, versucht er einen Sturm zu entfachen, der seine Widersacher mit sich reißt. Die USA stehen vor dramatischen Wochen.

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