USA

Trumps Ansichten

  • Arno Widmann
    vonArno Widmann
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Historiker erläutern das Weltbild des US-Präsidenten.

Brendan Simms und Charlie Laderman unterrichten Geschichte in Cambridge und am King’s College in London. „Wir hätten gewarnt sein können“ ist ihr Versuch, sich klar zu werden über Donald Trumps Weltbild. Sie haben dafür Äußerungen des Präsidenten zusammengetragen von 1980 bis 2016. Ihr Fazit: Die Vorstellung, Trump folge wechselnden Launen, ist falsch. Trump erkläre seit mehr als 30 Jahren, die Regierungen der USA ließen sich von Freund und Feind über den Tisch ziehen.

Japan und Europa ginge es wirtschaftlich so gut, weil sie ihre Verteidigung den USA überließen. Dass die Vormachtstellung der USA nicht mehr so ausgeprägt ist, wie sie es nach dem Zweiten Weltkrieg war, liegt nicht an den Veränderungen der Weltlage, sondern sei das Produkt unfähiger US-Präsidenten seit den frühen Jahren des Kalten Krieges. Trump will zurück in eine Zeit, in der mehr als die Hälfte der globalen Industrieproduktion und ein Drittel der weltweiten Güterproduktion aus den USA kamen. Das ist die Welt, in die er geboren worden war. Für ihn ist sie keine Erfahrung, sondern ein Mythos.

Trump, so die Autoren, „glaubt nicht an den internationalen, sondern an den nationalen, mehr auf Bauwesen und Produktion als auf Handel und Finanzwirtschaft beruhenden Kapitalismus. Man mag seine Vision von einer Wiederherstellung von Amerikas Wohlstand und Stolz durch staatliche Arbeitsbeschaffung, Autobahnen und Rüstung nicht teilen, aber es ist ein kohärentes Programm“. Das ist die zentrale Botschaft des Buches. Trump hat auch seine Diagnose,  seine vorgeschlagene Therapie kaum geändert. Seit fast zwanzig Jahren sind die Chinesen das zentrale Feindbild, nicht mehr die Japaner.

Simms und Laderman zeigen, dass Trump in den USA so viel nicht ändern wird. Dafür aber in Europa: „Die Vereinigten Staaten stehen nicht kurz vor einem faschistischen Umsturz. Trump dürfte nicht ernsthaft vorhaben, die Verfassung auszuhebeln, und wenn er es versuchen sollte, wird er zurückgeschlagen werden.“ Die USA werden – wahrscheinlich – in vier oder sogar acht Jahren immer noch dasselbe Verfassungssystem besitzen.

Die schlechte Nachricht für den Rest der Welt ist: Trumps bedrohliche Überzeugungen sind diejenigen, die ihm am Herzen liegen und für deren Umsetzung er in der besten Position ist. „Besonders Europa wird in vier Jahren anders aussehen, und in acht ist es vielleicht kaum wiederzuerkennen.“

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