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Man muss auch mit seinen Feinden verhandeln.

Kommentar

Trump schlägt aufs Gemüt

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Der Besuch des US-Präsidenten bei Frankreichs Staatschef am Nationalfeiertag empört viele Franzosen. Zurecht? Ein Kommentar.

Gewiss, am Nationalfeiertag haben die Franzosen vor den Rathäusern getanzt. Feuerwerk hat den Nachthimmel erhellt. Doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Nationalfeiertag in diesem Jahr alles war, nur kein frohes Fest.

Der traditionellen Militärparade, die dem Nationalstolz schmeichelt, folgte das Eingeständnis der Schwäche. Als offene Gesellschaft kann auch Frankreich den Bürgern keinen absoluten Schutz vor Terror bieten. Die Gedenkfeiern zum Jahrestag des Massakers von Nizza haben schmerzlich daran erinnert.

Die Staatsräson verlangt es 

Und als wäre das nicht ernüchternd genug, hat Staatschef Emmanuel Macron seinen Landsleuten auch noch einen Ehrengast zugemutet, den die meisten von ihnen niemals eingeladen hätten: US-Präsident Donald Trump.

Die Staatsräson verlangt es, kann Macron argumentieren. Und es stimmt ja auch: Zu Grundregeln der Diplomatie gehört, dass man nicht mit seinen Freunden, sondern mit seinen Feinden verhandeln muss.

Trump zählt dazu, hat er doch das Klimaschutzabkommen aufgekündigt, den Europäern Handelskriege angedroht und scheint in seiner impulsiven Art zu weiterem Unbill imstande. Womöglich macht es sich ja bezahlt, dass der Franzose dem Amerikaner höchste Ehren zuerkannt hat. Aufs Gemüt schlägt Trumps Gegenwart trotzdem.

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