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Donald Trump zieht US-Truppen aus Syrien und Afghanistan ab.

US-Truppenabzug

Trump nimmt negative Folgen in Kauf

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Der US-Präsident lässt mit dem Rückzug der Truppen aus Syrien die verbündeten Kurden im Stich, stärkt Diktator Assad und den „Islamischen Staat“.

Gedacht war der vormittägliche Tweet als Weihnachtsgeschenk des Weißen Hauses an die Soldatenfamilien. Am Ende jedoch verblüffte der elektronische Mehrzeiler Freund und Feind rund um den Globus. Die US-Truppen kommen heim, der selbst ernannte „Islamische Staat“ ist besiegt, der Einsatz in Syrien beendet, deklamierte US-Präsident Donald Trump in der Woche vor Heiligabend.

Das Pentagon versuchte derweil frenetisch, diesem einsamen und überraschenden Vorstoß seines Obersten Feldherrn die Spitze zu nehmen. Doch der will im Nahen Osten nicht mehr den Polizisten spielen. Jetzt sollten beim Kämpfen mal andere ran, twitterte Trump an seine Kritiker in den eigenen Reihen.

Trumps Lieblingsfeind Teheran frohlockt

Die negativen Folgen für das strategische Ansehen der Vereinigten Staaten in der nahöstlichen Unruheregion nimmt der US-Präsident damit bewusst in Kauf. Die europäischen Verbündeten protestieren entsetzt. Die kurdischen Mitkämpfer, die bislang unter hohen Verlusten das militärische Rückgrat gegen die Terrormiliz bildeten, fühlen sich verraten und im Stich gelassen.

Trumps Lieblingsfeind Teheran dagegen frohlockt. Eine Konfrontation mit der US-Armee auf syrischem Boden braucht die Islamische Republik nicht mehr zu fürchten. Auch bei der syrischen Nachkriegsordnung haben Iran, Türkei und Russland künftig freie Hand. Entsprechend großzügig fiel das Lob von Kremlchef Wladimir Putin aus. Das Weiße Haus ließ lediglich mitteilen, kein einziger Dollar werde für den Wiederaufbau fließen, solange Assad an der Macht sei.

Der „Islamische Staat“ allerdings bleibt durch Trumps Entscheidung auf Jahre eine unkalkulierbare Gefahr. Seine fähigsten Gegner, die kurdischen Brigaden, werden sich nach dem Twitter-Tiefschlag aus Washington schon bald in ihre nordöstlichen Heimatgebiete zurückziehen, um dort dem türkischen Nachbarn Recep Tayyip Erdogan die Stirn zu bieten. Die halbautonome kurdisch-syrische Führung könnte versuchen, der drohenden Invasion Ankaras mit einem nationalen Pakt mit Baschar al-Assad zu begegnen.

Dann wehen syrische Regimefahnen bald wieder auf den kurdischen Rathäusern und Polizeistationen. Und der Diktator von Damaskus müsste im kommenden Jahr nur noch die letzte Rebellenenklave Idlib zurückerobern, um sein Land wieder vollständig zu kontrollieren.

Diese Großoffensive, die weitere Hunderttausend Syrer zu Flüchtlingen machen könnte, befürworten auch die Iraner. Ihren Revolutionären Garden überlässt Trump jetzt ebenfalls das syrische Schlachtfeld, eine Entwicklung, die vor allem Israels Führung beunruhigt.

IS-Kommandos werden erstarken

Ohne eine schlagkräftige kurdisch-amerikanische Truppenpräsenz auf dem ehemaligen Territorium des „Islamischen Kalifates“ werden die IS-Kommandos bald ihr Comeback machen. Weder im Irak noch in Syrien sind die Gotteskrieger besiegt, auch wenn die von US-Spezialkräften trainierten Syrisch-Demokratischen Streitkräfte (SDF) mit dem Euphrat-Städtchen Hajin eine der letzten IS-Bastionen zurückerobern. Die Dschihadisten genießen nach wie vor Rückhalt in Teilen der frustrierten Bevölkerung. Und sie profitieren auch wieder – wie vor ihrem Aufstieg im Sommer 2014 – von Staatsversagen, Dauermisere und Anarchie.

Die Zahl der IS-Kämpfer in Syrien bezifferte das Pentagon kürzlich auf 14.000, kaum weniger als die 17.000 im Nachbarland Irak, wo die Terrormiliz längst wieder offen in Erscheinung tritt. Kidnappings, falsche Straßensperren und Bombenanschläge häufen sich. 75 Terroraktionen registrieren die irakischen Behörden derzeit pro Monat, das sind mehr als während der Schlussphase des „Islamischen Kalifates“ im Jahr 2016.

Politiker werden ermordet, um Chaos zu sähen und den Wiederaufbau der Wirtschaft zu torpedieren. Immer mehr Extremisten richten sich im Guerilla-Untergrund ein. Sie mischen sich unter die Bevölkerung, verbreiten Angst und Schrecken.

Insofern ist die nächste Runde im Krieg gegen die Gotteskrieger in Syrien und im Irak nur eine Frage der Zeit. Und dann müssen auch die US-Amerikaner wieder auf dem Schlachtfeld erscheinen. Nur die kampfstarken Kurden, die werden sich wohl nicht noch einmal vor den Karren des wankelmütigen Donald Trump spannen lassen.  

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