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“Ramat Trump“ heißt der neue Ort auf den Golanhöhen.

Donald Trump und Israel

Die „Trump-Höhen“ - Schmeicheleien aus Israel

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Israel bedankt sich bei dem US-Präsident und benennt ein Areal nach ihm. Bisher gibt es allerdings nur ein Ortsschild. Die Kolumne in der FR.

Ich liebe Satiren. Sie machen erträglich, was im Leben alles so schiefläuft und manchmal auch in der Politik. Meine erste Bekanntschaft mit diesem Genre machte ich im Alter von zehn Jahren. Nach dem Mittagessen, wenn die Küche fertig war, griff meine Mutter zu einem Buch mit Kurzgeschichten von Ephraim Kishon, um sich zur Erholung ein wenig zu amüsieren. „Lies mal vor“, bat ich, wenn sie an einer Stelle auflachte. Vom „Blaumilchkanal“ konnte ich nie genug bekommen.

Heute nehmen die Realsatiren überhand, wenngleich den Akteuren Kishons Sinn für Selbstironie eher abgeht. Folgender Fall hätte ihm, der zwar rechtskonservativ, aber auch ein Meister des Absurden war, zumindest einen schönen Plot geliefert. Er handelt von einer imaginären Ortschaft auf steinigem Golan-Plateau, die die Netanjahu-Regierung kürzlich dem US-Präsidenten gewidmet hat. Nun ja, vorerst besteht sie einzig und allein aus einem Ortsschild, das kürzlich im Beisein hoher israelischer und US-amerikanischer Repräsentanten feierlich auf freiem Feld, kurzfristig bedeckt mit Kunstrasen, aufgestellt wurde. „Ramat Trump“ – zu deutsch „Trump-Höhen“ prangt darauf in güldenen Lettern.

Dank an Donald Trump für die Anerkennung der Annektion

Weiter geplant ist bislang nichts, die Finanzierung ist unklar. Nur der Name steht fest, falls das Kabinett in Jerusalem den Bau tatsächlich beschließen sollte. Aber bitte, die Absicht zählt! Insofern hat Israels Premier seinem Versprechen schon mal Genüge getan, eine neue Golan-Siedlung nach Donald Trump zu benennen. Ausdruck tiefen Danks für dessen formelle Anerkennung des annektierten Gebirgszuges als israelisches Staatsgebiet. Trump jedenfalls fühlte sich geehrt, wie er gleich twitterte. Sage keiner, ein Immobilienmilliardär wisse nicht zu schätzen, was nichts kostet.

Dass der Chefegomane im Weißen Haus auf Schmeicheleien anspricht, wusste man schon zuvor. Andere könnten Netanjahu allerdings noch ausstechen, sinnierte eine Kollegin in der „Washington Post“. Zum Beispiel, wenn Peking im Gegenzug für zollfreie Importe anbiete, einen Abschnitt der Chinesischen Mauer nach Trump zu benennen. Das käme für alle Beteiligten billiger als ein Handelskrieg.

Illusion in Bahrain: die Palästina-Konferenz

Spaß beiseite. In der Weltpolitik, so scheint mir, haben Pläne derzeit besonders Konjunktur, die mehr heiße Luft als sonst was enthalten. Im Golfstaat Bahrain etwa wurde gerade bei der Palästina-Konferenz unter dem wohlklingenden wie illusionären Motto „Frieden zu Wohlstand“ mit schwindelerregenden Summen jongliert, um Gaza und Westbank in ein florierendes Singapur zu verwandeln. Wer zahlt, blieb offen.

Die PLO blieb aus Angst fern, irgendwann beim Teil 2 des „Jahrhundertplans“, vorgelegt von Trumps Schwiegersohn, die politische Rechnung präsentiert zu bekommen. Etwa in Form einer israelischen Annexion von Teilen des Westjordanlands, abgesegnet von der US-Administration.

Anders gesagt, möchte Ramallah nicht noch gute Miene machen müssen, sollte Netanjahu alsbald eine weitere Siedlung namens „Ramat Donald“ auf den Westbank-Hügeln hochziehen wollen – vermutlich samt Burgergrill in goldener Werbeschrift. Erstens als Hommage an Trumps Lieblingsessen. Und zweitens, um es der Fastfoodkette McDonald zu zeigen, die zum Leidwesen der Siedlerlobby zahlreiche Filialen in Israel unterhält, aber die Eröffnung einer Dependance in den besetzten Gebieten verweigert. In Nahost ist eben alles eine politische Geschmacksfrage. Ob Fleischklops oder Satire.

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