Rüstung

Trügerische Sicherheit

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Die Corona-Kosten werden kurzfristig Einschnitte in den Wehretats zur Folge haben, aber solange konfrontatives Denken die globalen Beziehungen beherrscht, wird eher aufgerüstet. Ein Kommentar.

Was für ein trauriger Rekord: Deutschland hat seine Rüstungsausgaben 2019 so stark gesteigert wie niemand sonst unter den 15 Staaten, die im weltweiten Ranking vorne liegen. Und wäre da nicht Corona, wäre es ziemlich sicher, dass es so weitergeht. Die willkürlich gesetzte Nato-Zielmarke von zwei Prozent der Wirtschaftsleistung ist bei uns immer noch ein ganzes Stück entfernt.

Nun aber fürchten die einen (zum Beispiel Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg) und hoffen andere, dass die Pandemie auch dem Aufrüsten Grenzen setzen wird. Man muss kein Pazifist sein, um zu sagen: Schön wär’s. Aber die Hoffnung ist schwach. Zu sehr hat sich in den vergangenen Jahren ein aufs Militärische fixierter Begriff von „Sicherheit“ durchgesetzt: Die Drohung mit Gewalt ist längst wieder zum zentralen Mittel nationaler oder regionaler Interessenpolitik geworden.

Es mag sein, dass die Corona-Kosten kurzfristig Einschnitte zur Folge haben. Aber solange konfrontatives Denken die globalen Beziehungen beherrscht, wird sich an der langfristigen Tendenz zur Aufrüstung nichts ändern. Wo selbst auf ein weltweit wirkendes Virus mit nationalen Egoismen reagiert wird, ist auch an Frieden durch internationale Zusammenarbeit kaum zu denken. Leider.

Von Stephan Hebel

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