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Der Bluttest für Schwangere auf Down-Syndrom sorgt für Proteste.

Trisomie-Bluttest

Die falsche Priorität

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Es ist gut, dass sich die Parteien und der Bundestag dem Thema Bluttest auf Trisomien stellen.

Es ist schon fast ein Automatismus: Stellen Pränataldiagnostiker vorgeburtlich einen schweren Defekt beim Kind fest, wird meist schnell zum Abbruch geraten – auch bei Erkrankungen, die vorgeburtlich behandelbar sind. Betroffene Eltern beklagen schon jetzt, unter Zeitdruck gesetzt und einseitig beraten worden zu sein. 

Wird erst der Bluttest auf Trisomien beim Ungeborenen zur Kassenleistung, dürften sich solche Fälle künftig noch viel häufiger abspielen. Der Druck auf Schwangere, die Kassenleistung wahrzunehmen, wird ebenso steigen wie die Zahl der Abbrüche. Denn eine Therapie für die Trisomien gibt es nicht. Vor allem: Das Leben mit einem behinderten Kind ist nicht selten existenzgefährdend. Das aber darf nicht sein. 

Es ist gut, wenn sich in dieser Woche die Parteien und der Bundestag dem Thema Bluttest stellen. Hoffen wir, dass dabei wirklich alles zur Sprache kommt. Überfällig ist nämlich eine ebenso heftige Debatte, wie betroffene Eltern endlich rechtlich und finanziell gestärkt werden können. Sie klagen fast alle über zermürbende Streits mit Kassen über Pflegegrade, Hilfsmittel und Rehas, viele können nicht arbeiten oder verlieren ihren Job wegen der zeitlichen Belastung. Besserer Kündigungsschutz, kostenlose Rechtshilfe, Ausweitung von Kassenleistungen für das Leben mit behindertem Kind – das sollte jetzt die erste Priorität sein.

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