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Die Autorität von Horst Seehofer und Angela Merkel ist nicht mehr unangefochten.

Regierung

Trio mit Machtverlust

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Das Glyphosatvotum von CSU-Minister Schmidt gegen die Weisung aus dem Kanzleramt ist nur ein Mosaiksteinchen - Merkel, Seehofer und Schulz haben an Macht verloren. Ein Kommentar.

Noch vor einem halben Jahr hätte man den Termin dieses Donnerstags so beschreiben können: Treffen sich die mächtigste Frau Europas, der Alleinherrscher Bayerns und der „Mister 100 Prozent“ der SPD beim Bundespräsidenten. Spätestens seit das Glyphosatdebakel die Regierungsbildung erschwert, klingt das nur noch wie ein Witz.

Der angeschlagene SPD-Chef Martin Schulz taumelt über einen Schlingerkurs mit offenem Ausgang. Die Chance, seiner Partei selbstbewusst einen klaren Kurs vorzugeben, hat er längst verpasst. Horst Seehofer ist politisch nicht mehr als ein wandelnder Toter: Wenn am Montag die CSU-Fraktion im Landtag über die Spitzenkandidatur 2018 abstimmt, sind seine Tage als Ministerpräsident gezählt.

Die Kanzlerin strahlt nicht mal so viel Macht aus, dass man unter ihr regieren will. Und das Glyphosatvotum des CSU-Ministers Schmidt beweist, dass ihre Autorität nicht mal im eigenen Kabinett reicht, um die Chance auf eine schwarz-rote Koalition zu wahren. Schmidt hatte sich mit Seehofer abgestimmt, aber die Weisung aus dem Kanzleramt ignoriert. Das zeigt: Nicht das Wahlergebnis verhindert eine Regierungsbildung – sondern, dass die drei wichtigsten Akteure nicht mehr über genug Autorität dafür verfügen. 

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