Saudi-Arabien

Der Trick des Prinzen

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Riad schafft die Prügelstrafe nur ab, um die Kritik an dem skandalösen Tod eines Bürgerrechtlers abzuschwächen, aber nicht, um Repressionen gegen Andersdenkende zu beenden. Der Kommentar.

Für Saudi-Arabien und seinen Kronprinzen Mohammed bin Salman addieren sich die Turbulenzen. Das milliardenschwere Pilgergeschäft liegt am Boden, zum ersten Mal in der modernen Geschichte der Monarchie könnte der Hadsch ausfallen. Gleichzeitig droht das Ölgeschäft in systemkritischer Weise einzubrechen. Der Exporterlös befindet sich in freiem Fall. Der nächste Staatshaushalt braucht Rekordkredite, so dass die Corona-Krise am Ende sogar die ehrgeizige Reformagenda 2030 des Thronfolgers verschlingen könnte. In diese Misere hinein droht mit dem skandalösen Hafttod des saudischen Bürgerrechts-Pioniers Abdullah Al-Hamid die nächste Runde einer globalen Post-Khashoggi-Empörung. Dagegen hilft nur ein möglichst spektakuläres Gegenmittel.

Die Abschaffung der Prügelstrafe und der Hinrichtungen von Minderjährigen soll Menschenrechtlern rund um den Globus den Wind aus den Segeln nehmen. An den Missständen im Königreich ändert das Prügeldekret nichts – an der Willkür der Scharia-Gerichte, der systematischen Folter in Gefängnissen, den Rekordziffern bei den Hinrichtungen und der gnadenlosen Repression gegen alle Andersdenkenden.

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