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Asylpolitik - Geflüchtete an der österreichisch-deutschen Grenze

Flüchtlingsdebatte

Das Trauma von 2015? Welches Trauma?

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Bei der Debatte über Geflüchtete sollte an die positiven Erfahrungen nach 2015 angeknüpft werden und nicht an die Angst vor der AfD. Die Kolumne.

Nach den Ereignissen der letzten Wochen und Monate, dem rechtsextremen Terror ist politisch und gesellschaftlich viel in Bewegung geraten. Die Gründe dafür sind schrecklich. Dennoch ist es gut, dass die Morde von Hanau für Unruhe sorgen. Viel besser, als die Ruhe nach den fast 200 vorangegangenen Morden.

Die Opfer wurden ermordet, weil ein Rassist und Rechtsextremist fand, dass sie nicht leben sollten. Es lag nicht an ihrer Herkunft und Hautfarbe, sondern an dem Welt- und Menschenbild des Täters. Nicht ihre Merkmale sind der Grund für eine solche Tat, sondern seine!

Debatte über Flüchtlinge: Positive Erfahrungen betonen

Nicht sie müssen irgendwie integriert werden, wie es üblicherweise heißt, sondern er sollte wissen, dass Taten wie diese, Menschen wie er außerhalb jeglicher menschlichen Gemeinschaft stehen. Er, nicht die Opfer! Nicht Herkunft ist der Makel, sondern Haltungen und Taten, die andere abwerten, ausgrenzen und sogar töten.

Viel zu lange wurde in Deutschland das Thema Rassismus ignoriert, ja seine Existenz bestritten. Wie selbstverständlich Menschen mit Rassismuserfahrungen aufgewachsen sind, war nie Teil der gesellschaftlichen Erzählung über das Leben in Deutschland.

Rechtsextremer Terror: Rassismus wurde in Deutschland lange ignoriert

Wie groß die Benachteiligungen, der Missbrauch, die Exotisierung von nichtweißen oder jüdischen Menschen noch immer sind, darüber wird jetzt diskutiert. Wir wissen nicht, wie die Entwicklung weitergeht. Aber ganz sicher haben wir gerade einen großen Einfluss darauf, wie sich die Gesellschaft für die nächsten Jahrzehnte definieren wird, ob sie sich selbst in ihrer Vielfalt anerkennt, ignoriert oder verleugnet.

Es handelt sich um Konflikte, die viel zu lange unter den Teppich gekehrt wurden. Und zwar so lange, bis daraus braune Klumpen wurden. Rechtsextremisten, die AfD, Rassisten und Antisemiten ernähren sich von solchen ungelösten Konflikten. Sie jetzt anzugehen, darum zu ringen bedeutet Entwicklung, Bewegung und gesellschaftlichen Fortschritt. Der Kampf um dieses Selbstbild Deutschlands bedeutet Konflikte zu lösen. Das ist etwas anderes als Spaltung, von der immer gesprochen wird.

Kampf um das Selbstbild Deutschlands bedeutet Konflikte zu lösen

Dazu gehört auch die Diskussion über Flüchtlinge, die auf Lesbos und anderen Orten leiden. Dass die europäische Politik sich von Nazis und der Türkei erpressen lässt und ihretwegen die Menschlichkeit aufgibt, ist schwach und herzlos.

Und es geht an der Stimmung in Deutschland vorbei. Alle Umfragen belegen dies. Die Ereignisse der letzten Zeit haben nämlich noch etwas anderes gezeigt. Die meisten Menschen in Deutschland können und wollen helfen! Anstatt an die Erfahrung mit dem Erstarken von Nazis und AfD nach 2015 anzuknüpfen, wäre es doch viel besser, auf die Hilfsbereitschaft, Großzügigkeit und Solidarität zu vertrauen, die in diesem Land vorhanden ist.

Menschlichkeit und Verantwortungsgefühl: Die Schwächsten aufnehmen

Anstatt vom „Trauma“ zu sprechen, das Deutschland angeblich 2015 erlebte, anstatt sich kleinmütig von AfD und Nazis erpressen zu lassen, die sich bösartig am Elend der Flüchtlinge ergötzen, wäre es angemessen, human und souverän, die Schwächsten aufzunehmen.

Die Entwicklung geht nicht nur in Richtung Rassismus und Verachtung, sondern auch hin zu mehr Menschlichkeit und Verantwortungsgefühl. Auch das ist Deutschland heute. So sieht Entwicklung aus. Stehen wir dazu.

Von Anetta Kahane. Sie ist Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung.

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