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Erst kam der Ex-Vorsitzende Sigmar Gabriel, der zwar offiziell nichts mehr zu sagen hat, aber so laut von Koalitionsbruch sprach, dass der Ton schon mal gesetzt war.

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Tragik, selbstgemacht

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Die SPD kritisiert im Gerangel um den EU-Spitzenposten mit vollem Recht sowohl das Verfahren als auch das Ergebnis – und muss sich dafür als partei-egoistische Nörglerin beschimpfen lassen. Ein Kommentar.

Besser lässt sich die Tragik der SPD nicht illustrieren: Erst scheitert Bundeskanzlerin Angela Merkel von der CDU mit ihrer Idee für die Spitzenpersonalien der EU, um sich wenige Tage und ein unappetitliches Gerangel später für die erste deutsche Kommissionschefin Ursula von der Leyen feiern zu lassen. Dann kritisiert die SPD mit vollem Recht sowohl das Verfahren als auch das Ergebnis – und muss sich dafür als partei-egoistische Nörglerin beschimpfen lassen.

Die Geschichte wäre allerdings unvollständig, würde sie ohne den Eigenbeitrag der Sozialdemokraten zu ihrem Dilemma erzählt. Erst kam der Ex-Vorsitzende Sigmar Gabriel, der zwar offiziell nichts mehr zu sagen hat, aber so laut von Koalitionsbruch sprach, dass der Ton schon mal gesetzt war. Zum anderen aber zeigten sich die aktuellen Parteivertreter unfähig, konsequent und nachvollziehbar zu reagieren.

Wenn es stimmt, dass Merkel eine ungeeignete Kandidatin ohne Rücksicht auf den Koalitionspartner durchgesetzt hat, dann muss man das entweder akzeptieren oder gleich die Konsequenzen ziehen. Stattdessen hat die SPD wieder getan, was sie seit allzu langer Zeit tut: Sie verhält sich zum Bündnis mit der Union so, als wäre sie gleichzeitig drinnen und draußen. Das ist die selbstgemachte Tragik.

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