+
Joachim Gauck will Toleranz gegenüber rechts. 

Joachim Gauck

Toleranz gegenüber rechts? Gauck versucht den Spagat

  • schließen

Ex-Bundespräsident Joachim Gauck wirbt für mehr Toleranz gegenüber rechts. Um gleichzeitig Intoleranz einzufordern. Schlüssig ist das nicht. Ein Kommentar.  

Seit März 2017 ist Joachim Gack kein Bundespräsident mehr. Aktuell jedoch meint er, über ein „Spiegel“-Interview in die politische Debatte eingreifen zu müssen. Dort hatte er eine „erweiterte Toleranz in Richtung rechts“ gefordert, denn nicht jeder, der „schwer konservativ“ sei, sei eine „Gefahr für die Demokratie“. 

„Wir müssen zwischen rechts - im Sinne von konservativ - und rechtsextremistisch oder rechtsradikal unterscheiden“, führte er aus und ermahnte die CDU, dem bestimmten Typus des Konservativen wieder eine Heimat zu geben. Ist das seine Strategie, um die Union aus ihrem Umfragetief zu ziehen?

Die AfD-Wähler im Visier

Gleichzeitig forderte der einstige Pastor Intoleranz gegenüber Menschen, die andere diskriminierten oder „Recht und Gesetz missachten“. Entsprechend müsse die Gesellschaft lernen, „mutiger intolerant zu sein“. 

Gauck, der vielleicht auch einfach nur Werbung für sein neues Buch machen wollte, das am 18. Juni erscheint, dürfte jene AfD-Wähler im Visier haben, die er für die Union noch nicht ganz verloren glaubt. Ganz so, als hätten die Politakteure immer noch nicht mitbekommen, dass der Wähler stets das Original dem Nachahmer vorzieht, und die AfD ihren Erfolg gerade aus der Tatsache speist, rechts der Union zu agieren.   

Flanke nach rechts geöffnet

Die Flanke nach rechts zu öffnen, ist keine Gaucksche Erfindung. Den Spagat jedoch, einerseits Toleranz gegenüber den Rechten zu fordern, und andererseits gegen ähnliche Klientel Intoleranz zu predigen, muss man erst einmal hinbekommen - denn er ist weder logisch noch schlüssig.

Lesen Sie auch: Rechte Demo in Berlin: „Ein Baum, ein Strick, ein Pressegenick!”

Es sind Schattierungen in Blau-Braun, derer Gauck sich bemüht, diese jedoch mit „schwer konservativ“ umschreibt. Was versteht Herr Gauck darunter? Als Beispiel führt er Alfred Dregger an, bei dem einst viele Wähler in der Union eine Heimat gefunden hätten. 

Alfred Dregger - Vorzeigekonservativer?

Er meint jenen Dregger, dem historische Ignoranz vorgeworfen wurde und der als starker Linken-Hasser galt. So hatte er den Angriffskrieg der Nazis gegen die Sowjetunion als nicht grundsätzlich falsch eingeordnet, sich für die Freilassung inhaftierter deutscher Kriegsverbrecher eingesetzt und den Begriff der „Befreiung“ durch die Alliierten als „einseitig“ markiert. 

Das könnte Sie auch interessieren: Die Linksradikalen von der Groko

Herunter gebrochen bediente gerade Dregger AfD-Inhalte, die durchaus rechtsaußen zu verorten sind. Fordert Gauck entsprechend Toleranz gegenüber Geschichtsrevisionisten? 

Das würde er sicherlich weit von sich weisen, schließlich will Gauck doch nur rechts von rechtsradikal unterschieden wissen. Er begibt sich auf ganz dünnes Eis, denn, wie am Beispiel Dregger deutlich wird - die Grenzen hier sind fließend.  

Lesen Sie hier:

Schäfer-Gümbels Attacke gegen die Grünen - eine Strategie für den Untergang der SPD - unser Kommentar

Rechtsradikale Umtriebe: 28 Polizisten unter Verdacht - In der Affäre um rechtsradikale Umtriebe bei der hessischen Polizei gibt es jetzt allein bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft schon 28 Beschuldigte. Gegen einen Beamten, der Drohbriefe an eine Anwältin verschickt haben soll, wird weiter ermittelt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare