+
Hans-Georg Maaßen

Kolumne

Thilo Sarrazin und Hans-Georg Maaßen: Was haben beide gemeinsam? 

  • schließen

Den einen will die SPD nicht mehr, den anderen die CDU. Doch da hören die Gemeinsamkeiten nicht auf. Die Kolumne.

Eine der großen politischen Fragen der Gegenwart lautet: ist Thilo Sarrazin der Hans-Georg Maaßen der SPD oder ist umgekehrt Hans-Georg Maaßen der Thilo Sarrazin der CDU? Geht man der zeitlichen Abfolge nach – wer war zuerst da -, ist die Antwort eindeutig, dann liegt Sarrazin vorne. Auf der anderen Seite scheinen beide die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, und wenn es nicht die Weisheit war, hat Mama sie mit Arroganz gefüttert. Wo sie sind, fühlen sie Deutschland stehen, und wenn Deutschland ganz woanders herumlungert, muss es sich irren.

Maaßen hat die Nase vorne 

Geht man von der Medienresonanz aus, hat allerdings Maaßen die Nase vorne. Schon vor Monaten habe ich ja gewettet, dass er ein politisches Ziel hatte, als er mit den Worten, die Sozialdemokraten würden Linksextreme beherbergen, seinen Rauswurf provozierte. Linksextreme Sozialdemokraten kommen sonst ja nur bei den verstorbenen Anhängern von Franz Josef Strauß vor, zu deren Sorte auch Maaßen gehören mag, es gibt durchaus Untote in der Politik, aber in erster Linie wollte er sich wohl a) der Öffentlichkeit als Opfer von Angela Merkel präsentieren, um damit b) Rückenwind zu bekommen beim Erreichen seines eigentlichen Ziels: Innenminister der ersten CDU-AfD-Regierung zu werden, ich tippe mal auf Sachsen als dem erhofften Ort der Erfüllung.

Tatsächlich aber sind sowohl Maaßen als auch Sarrazin Prototypen des politischen Beamten, bei Sarrazin mit einer kleinen Unterbrechung als Wirtschaftssenator in Berlin, wo er das gute Porzellan der Stadt versilberte. Schicksal der politischen Beamten ist es, dass sie immer in der zweiten Reihe stehen, hinter den Ministern, von denen sie in der Regel das Gefühl haben, dass sie, die Politiker, unter ihnen, den Fachleuten, regieren.

Schließlich haben sie sich ein Leben lang in ein Spezialgebiet wie „Innere Sicherheit“ eingearbeitet, während der aktuelle Innenminister gestern noch Entwicklungspolitiker gewesen sein mag und morgen über eine Affäre stolpern kann. Diese Beamten haben aber auch das Problem, dass sie den Wald vor lauter Spezialwissen nicht sehen und ihr Fachgebiet für die ganze Welt halten.

Getarnte Demagogen 

Die Ehre des politischen Beamten ist es, ohne Zorn und Voreingenommenheit, das heißt unparteiisch, sein Amt zu führen, während es die Ehre eines Politikers ist, die Interessen seiner Gefolgschaft zu vertreten. Die Einen verwalten, die Anderen entscheiden. Sowohl Maaßen als auch Sarrazin aber geben eine Figur ab, die auf der Außenseite das Gesicht des objektiven Beamten trägt, der keinem Interessen folgt, während sie auf der Innenseite, in der Wirklichkeit ihres Handelns, Politiker geworden sind – oder, um es genauer zu fassen: Demagogen, die so tun, als wären sie keine, dabei aber jede Menge Interessen haben. Hier gilt immer noch der Satz von Max Weber, wonach „gerade sittlich hochstehende Beamtennaturen schlechte, vor allem im politischen Begriff des Wortes verantwortungslose und in diesem Sinne sittlich tief stehende Politiker“ sind.

Nun ist noch nicht geklärt, wer das größere Gespenst für seine Partei ist, Sarrazin oder Maaßen, aber die erfolgreichen Demagogen der Gegenwart tragen weder Uniform noch Anzug und Krawatte, schon gar keine Brillen vom Antiquitätenhändler, sondern fläzen sich halbnackt am Strand von Rimini herum oder gehen mit entblößtem Oberkörper auf Bärenjagd in Sibirien. Trotzdem gilt meine Wette auf Maaßen als Innenminister in Sachsen immer noch. Ich setze 100 Euro, der Totalisator ist geöffnet.

Von Volker Heise 

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren: 

Olaf Scholz, der Soli und was das (nicht) mit Sozialdemokratie zu tun hat

Der Finanzminister will bekanntlich Vorsitzender der SPD werden. Das ist die Partei, die den Solidaritätszuschlag nie abschaffen wollte, weil das Geld gebraucht wird, zum Beispiel beim Klimaschutz. Jetzt schenkt er den Unionsparteien eine Lösung, die keine ist. Ein Kommentar.

Wie Uni-Professor Kutschera die Tat am Frankfurter Hauptbahnhof instrumentalisiert

Professor Ulrich Kutschera schreibt zur Tat am Frankfurter Hauptbahnhof. Doch was er eigentlich macht, ist, seine Ideologie unters rechte Volk zu jubeln. Ein Kommentar.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare