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Vor dem Dublin Castle wird das Ja zur Lockerung des strikten Abtreibungsverbots begrüßt.

Referendum zur Abtreibung

Theresa May hat ein irisches Problem

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Irland entscheidet sich mit überwältigender Zwei-Drittel-Mehrheit gegen die restriktiven Regeln zur Abtreibung. Die Volksabstimmung wirft für London Probleme auf. Der Kommentar.

Das Abtreibungsreferendum in Irland stellt den Schlussstein dar in einem Prozess, der 1973 mit dem Beitritt zur damaligen EWG begann. Aus der verarmten, theokratischen Insel weit draußen im Atlantik war schon zur Jahrhundertwende dank Milliardensubventionen aus Brüssel ein wirtschaftlich erfolgreicher, politisch selbstbewusster Staat geworden. Endlich waren die Iren aus dem Schatten des einst übermächtigen Nachbarn Grossbritannien herausgetreten.

Die Ablösung von der katholischen Kirche dauerte länger und kam in einem Dreischritt: Zunächst die staatlichen Untersuchungen der schrecklichen Verbrechen gegen Kinder, die Priester und Nonnen Jahrzehnte lang ungestraft begehen konnten; vor drei Jahren die erfolgreiche Volksabstimmung über die Schwulenehe; nun mit Zweidrittel-Mehrheit die Abschaffung eines faktischen Abtreibungsverbots, das Irinnen selbst in schwersten medizinischen und sozialen Notlagen zur unwürdigen Reise ins Nachbarland zwang.

Bis Ende des Jahres wird das Dubliner Parlament die andernorts geltende Fristenregelung einführen. Dann bleibt in ganz Westeuropa nur noch ein rückständiges Land, was Frauenrechte angeht: der nordirische Teil des Vereinigten Königreiches. Dort befindet sich die katholische Kirche in einer unheiligen Allianz mit protestantischen Fundamentalisten. Und deren politischer Arm, die DUP, hält Theresa Mays schwache Regierung an der Macht. Man darf gespannt sein, wie die erklärte Feministin in der Downing Street mit dem jetzt akut gewordenen Konflikt umgehen wird.

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