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Bekanntester Kleinkrämer der Welt: Donald J. Trump

Ausstieg aus Klima-Vertrag

Wie bei "The Apprentice"

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Donald Trump inszeniert seinen Ausstieg aus dem Klimaschutzabkommen als Spektakel und zeigt sich in der Rolle eines skrupellosen Kleinkrämers. Ein Kommentar.

Niemand vermochte die Klimakatastrophe aufzuhalten, die Donald Trump im Rosengarten des Weißen Hauses verkündete. Weder Lieblingstochter Ivanka noch Außenminister Tillerson und auch nicht Papst Franziskus, die Trump alle eindringlich vor einem Rückzug aus dem Pariser Klimaabkommen gewarnt hatten. 

Damit isolieren sich die USA in der Welt. Und stellen sich auf eine Stufe mit Syrien und Nicaragua, die sich bisher als einzige dem Kampf gegen Erderwärmung verweigerten. Statt die Bedenken amerikanischer Wirtschaftskapitäne und Wissenschaftler Ernst zu nehmen, machte der Präsident aus seiner Entscheidung eine Farce. Ein Spektakel, das mit der Schlussrunde seiner Reality-TV-Show „The Apprentice“ konkurrieren könnte. 

Wer nicht völlig geschlafen hat, wusste längst, wie sich Trump entscheiden würde. Die Kabale unter seinen Beratern illustriert eher das Chaos im Weißen Haus. Einig sind sich die Trumpers nur in einem: Dem giftigen „Amerika-First“-Nationalismus, der Außen-, Sicherheit, Handels- und Klimapolitik bloß als Geschäft auf Gegenseitigkeit betrachtet. In dieser Weltsicht gelten weder Prinzipien noch Werte. Menschen- und Bürgerrechte, Entwicklungszusammenarbeit und Freihandel, aber auch der Umweltschutz machen nicht die Essenz aus, sondern sind bestenfalls Beiwerk.

Trump will nur Dollar und Cent

Sein „Nein“ zum Pariser Klimaschutz-Abkommen ordnet sich in diesen Kontext ein. In der Praxis tut dieser Präsident nichts, von dem er sich nicht Vorteile in Dollar und Cent verspricht. Die Europäer haben die Botschaft spätestens seit der Schelte im neuen NATO-Hauptquartier verstanden. Trump legt keinen Wert auf die Gemeinsamkeiten, die den Westen zu einer Werte-Gemeinschaft gemacht haben. Stattdessen arbeitet er aktiv dagegen an. Wie nun beim Klimaschutz.

Damit verabschiedet sich der neue US-Präsident von der Rolle des „Führers der freien Welt“. Er tauscht sie ein gegen die eines skrupellosen Kleinkrämers. Ein 350-Milliarden-Dollar Waffendeal mit den Alleinherrschern in Saudi Arabien kommt ihm da so recht wie die Annäherung an die Zyniker im Kreml. Trump fehlt der Horizont, über den Tellerrand seines „America-First“-Nationalismus hinauszuschauen. Sonst verstünde er, das die liberale Weltordnung, die seine Vorgänger nach dem Zweiten Weltkrieg mit einem Netz an multilateralen Verträgen und Institutionen geschaffen haben, auch dafür da waren, amerikanischen Einfluss zu sichern. 

Mit seinen rüpelhaften Auftreten auf der Weltbühne und der Aufkündigung des Klima-Abkommens erreicht er das genaue Gegenteil. Die USA danken als „unverzichtbare“ Führungsmacht ab. Auf Trumps Amerika ist in der Tat kein Verlass mehr.    

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