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Unser Autor hatte sein schlechtestes Schnitzel.
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Unser Autor hatte sein schlechtestes Schnitzel.

Kolumne

Vom Teller

  • Michael Herl
    VonMichael Herl
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Angekündigt war ein Wiener Schnitzel mit Bratkartoffeln. Doch es kam anders. Eine kleine Bilanz des Schreckens.

Eigentlich wollte ich da ja gar nicht hin. Doch es war Mittag in einem anderen Stadtteil, und ich hatte gehört, es gebe dort ein Restaurant mit formidabler Raucheretage. Also hin.

Es war eines jener neudeutschen In-Lokale mit einer Speisekarte von chinesisch über italienisch und amerikanisch bis hin zu mexikanisch und deutsch. Vorweg das Ergebnis: Prächtig geraucht, doch fast gebrochen. Angekündigt war ein Wiener Schnitzel mit Bratkartoffeln. Es kam ein pappendickes Stück paniertes Gewebe von der gleichen Farbe wie ein alter Führerschein, aus dem bei kleinster Berührung bächleingleich stinkendes Altöl lief. Daneben lungerten sieben Ecken hochbetagter kalter Kartoffeln, die es selbst im Hungerwinter 46/47 kaum zum Verzehrtwerden gebracht hätten. Dazu Feldsalat mit einem Dressing, das noch vom Waschen herrührte, nämlich ausschließlich aus Wasser bestand, versehen mit drei Körnchen grobem Salz. Apart auch die Bedienerin, die meinen zarten Hinweis, die Gegenstände auf meinem Teller seien für den menschlichen Verzehr nicht geeignet, mit der Bemerkung abwies, sie habe dieses „Essen“ ja nicht gekocht und dann wacker 15,90 Euro abkassierte.

Dies ist nun etwa vier Monate her, doch meine Bettgenossin weist mich noch heute auf regelmäßige nächtliche Frittierfettgeruchausstöße hin. „Ein Geysir issn Scheiß dagegen“, meinte sie unlängst, „und der stinkt wenigstens nur nach Schwefel“. Leise weinend trauert sie dann den Zeiten hinterher, als ich nur nach Bier, Schnaps, Tabak und Mann roch.

Der graue Lappen jedenfalls steht nun auf Platz eins der Rangliste meiner schlechtesten Schnitzel. Von Platz zwei auf drei rutschte dadurch etwas, was mir einmal auf einer Raststätte bei Stuttgart serviert wurde.

Es war eigentlich pfiffig zubereitet, zumindest innovativ. Das Wesen in der Küche hatte das Fleisch nämlich artig paniert, es dann aber nicht gebraten, sondern vermutlich in lauwarmem Wasser pochiert. Die Panierung bestand dann also aus einer quaddelig-mehlig-pampigen Substanz, die das Fleisch von beiden Seiten umkleisterte. Zudem hatte das Wesen vermutlich einem Kochbuch entnommen, dass man Fleisch auch englisch zubereiten könne. Welche Sorte, hatte es wohl überlesen. Jedenfalls mischte sich die klebrige, spermafarbene Masse rasch mit dem ausgetretenen Schweineblutwasser und erinnerte in Konsistenz und Farbgebung an offene, vereiterte und wundgekratzte Beine.

Der Vollständigkeit halber möchte ich noch von dem Schnitzel berichten, das bis zu meinem Besuch in dem Schicki-Lokal Platz eins meiner Hitliste gehalten hatte. Es war einst irgendwo im norddeutschen Niemandsland. Dort wurde mir ein Teller mit einem Stück Schwein gereicht und zwar von einer festen Dame, die das Tier vermutlich mit bloßen Händen geschlachtet hatte. Auch da hatte die Küche Fantasie bewiesen. Die eine Seite des Fleischlappens war nämlich so ähnlich wie jene in der schwäbischen Raststätte, nur ohne Blut, die andere aber hart und schwarz wie gedörrter Teerstuhl.

Warum ich dies schreibe? Weil ich mich unlängst zwang, diese Urwaldsendung anzusehen, halt um mal mitreden zu können. Da kam mir all das wieder in den Sinn. Und mein Fazit: Dschungelcamp ist das, was Dir geschieht, während andere RTL gucken.

Michael Herl ist Autor und Theatermacher.

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