GASTBEITRAG

Teamgeist für alle!

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Gesellschaftliches Engagement darf nicht mit der Aberkennung der Gemeinnützigkeit bestraft werden. Weder im Sport noch anderswo.

Auf den ersten Blick ist Sport ein Spiel, auf den zweiten Blick ist es Gestalten der Gesellschaft.“ Dieser Satz des Alt-Bundespräsidenten Joachim Gauck drückt am besten aus, warum der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sich an der Charta für Zivilgesellschaft und Demokratie beteiligt und damit gemeinsam mit elf weiteren gemeinnützigen Organisationen die enorme Bedeutung zivilgesellschaftlicher Organisationen für eine lebendige und starke Demokratie herausstellt.

Gerade angesichts der wachsenden gesellschaftlichen Herausforderungen ist zivilgesellschaftliches Engagement in Deutschland nötiger denn je. Gleichzeitig sind Strömungen aus dem politischen Raum zu beobachten, gemeinnützige Organisationen in ihrer Arbeit einzuschränken, vor allem dann, wenn sie politisch unbequem sind. Dagegen positionieren wir uns gemeinsam.

Der Sport bildet mit 27 Millionen Mitgliedschaften in rund 90 000 Sportvereinen die größte zivilgesellschaftliche Gemeinschaft in Deutschland. Und dort, nämlich in den Vereinen, findet tagtäglich genau das statt, was Joachim Gauck so treffend formuliert hat: Gestalten der Gesellschaft.

Dort übernehmen rund acht Millionen Menschen Verantwortung, indem sie sich ehrenamtlich engagieren. Sie sorgen dafür, dass Kinder nicht nur lernen, wie man über das Pferd springt oder den Volleyball erfolgreich über das Netz schmettert. Sie tragen auch dazu bei, dass der Sport aktive Lebensweisen fördert und damit einen elementaren Beitrag zur Gesundheit leistet.

Sie helfen mit, dass alle teilnehmen können, egal welchen Geschlechts, welcher Hautfarbe oder welcher Herkunft – Sportvereine sind für alle Gruppen der Bevölkerung offen und stehen für Integration und Teilhabe. Diskriminierung hat in unseren Sportvereinen keinen Platz.

Sie stehen auch für die Werte des Sports: Fairness, Respekt, Teamgeist, Solidarität, Leistung, Chancengleichheit, um nur einige zu nennen. Integrität ist das höchste Gut des Sports, und ohne seine Werte verliert der Sport seinen Kern. Die Ehrenamtlichen an der Basis bringen jungen Menschen bei, dass man sich an Regeln zu halten hat und Fairness die Grundlage des sportlichen Wettbewerbs ist; sie leben vor, wie man mit Anstand verliert und Gegner*innen respektiert.

Nicht nur aus diesem Blickwinkel spielt der Sportverein eine zentrale Rolle in der Persönlichkeitsentwicklung: Dort werden Potenziale und Talente entdeckt und gefördert, dort werden junge Menschen – im wahrsten Sinne des Wortes – fit gemacht für das weitere Leben. Und einige natürlich auch für eine Karriere im Sport.

Auch das ist eine wichtige Aufgabe des DOSB: Dafür zu sorgen, dass die Athlet*innen die besten Rahmenbedingungen vorfinden, um ihr Potenzial im Leistungssport voll ausschöpfen zu können. Dabei ist Erfolg willkommen, aber – da sind wir wieder bei den Werten – nicht um jeden Preis.

Für uns ist entscheidend, dass Leistungen fair und sauber errungen werden, dass Teamgeist gelebt wird und dass alle ihre Persönlichkeit sowie ihre Leistungsfähigkeit optimal entfalten können. In der medialen Berichterstattung stehen leider häufig die Schattenseiten des Sports im Mittelpunkt, wie zum Beispiel Doping und Kommerzialisierung, aber das ist nur ein kleiner Ausschnitt. Sport ist so viel mehr!

Sport ist vor allem dieses großartige ehrenamtliche Engagement, das für eine lebendige Demokratie unverzichtbar ist. Zum Beispiel 2015, als unzählige Vereine Geflüchtete zum Nulltarif aufgenommen haben, ihnen Sportgeräte und -kleidung zur Verfügung stellten, ihnen den Einstieg in das neue Land und in ein neues Leben erleichtert haben.

Dabei drohte den Vereinen plötzlich der Verlust der Gemeinnützigkeit, weil diese Aufgabe nicht im Satzungszweck verankert war. Das hat unsere Vereine aber nicht davon abgehalten, diese gesellschaftliche Herausforderung anzunehmen. Durch eine Intervention beim Bundesfinanzministerium konnte der drohende Verlust der Gemeinnützigkeit damals abgewendet werden.

Dies ist nur ein Beispiel, weshalb wir uns als DOSB gemeinsam mit den elf anderen Organisationen stark machen für das ehrenamtliche Engagement. Gemeinsam stellen wir uns gegen die wachsende Bedrohung der Gemeinnützigkeit und wollen uns mit der Charta für Zivilgesellschaft und Demokratie verstärkt für bessere Rahmenbedingungen für bürgerschaftliches Engagement bei der Politik einsetzen.

Es lohnt sich, für das Ehrenamt zu kämpfen. Wir wollen all dies erhalten, was der amtierende Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier neulich perfekt zusammengefasst hat: „Ich finde, dieses Miteinander ganz verschiedener Menschen, dieser Zusammenhalt im Sport, das ist ein großes Vorbild für uns alle. Ich wünsche mir jedenfalls mehr Teamgeist nicht nur beim Sport, sondern in der ganzen Gesellschaft.“

Veronika Rücker ist Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB).

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