Der arme Mann braucht dringend ein Aussteiger-Programm. Nur: aus was aussteigen? 
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Der arme Mann braucht dringend ein Aussteiger-Programm. Nur: aus was aussteigen? 

TeamBystron

„Mainstream-Aussteiger“ - Ein Aufruf an die AfD!

  • Katja Thorwarth
    vonKatja Thorwarth
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Die AfD hat ein neues „Mainstream-Aussteiger-Programm“ für Journalistinnen*. Dabei ist sie doch längst im Mainstream angekommen. Und jetzt? Die Kolumne.

Verzweifelt blickt der Mann ins Leere, den Kopf in die Hand gestützt, den Rücken zum Buckel gekrümmt. Die Hand vermag die Schwere kaum zu stemmen – diese Last, die den Dunkelhaarigen vor blauem Hintergrund zu belasten scheint. In der Rechten hält er verkrampft ein Schreibgerät, ganz so, als würde jeder Buchstabe, der aus der Feder fließt, das Leid ins Unermessliche steigern.

AfD-„Aussteigerprogramm“ - grandiose Idee von Petr Bystron

„Trau Dich! Steig aus!“ steht über dem Bild des Jammers, das locker eine Redeschreiberin der AfD abbilden könnte. „Ich ertrage diese Hetze nicht mehr, diese ewigen Verdrehungen der Tatsachen, diese Angstmacherei, dieses Aufwiegeln der Bevölkerung, diesen anti-emanzipatorischen Mist“, könnte sie denken, man hätte Mitleid, würde sie in den Arm nehmen und unterstützen bei der Suche nach einer Aussteigerorganisation in ihrer Nähe.

Doch die Seite „mainstream-aussteiger.de“ hat weniger das Elend in den rechten Reihen im Blick. Vielmehr sind es die Journalistinnen*, die, vom linksgrünversifften Lügenmedien-Apparat als seelische Wracks gezeichnet, endlich „zurück zur unabhängigen Berichterstattung“ kehren mögen – und zwar mithilfe der Kameradinnen* um den AfD-Mann Petr Bystron.

AfD-„Aussteigerprogramm“ - eine illustre Runde 

Der soll, wie der BR recherchierte, mit Rechtsextremen bereits im Biergarten gesessen und einer Kameradin nahegelegt haben, doch besser an der „Stange“ zu tanzen – anstatt Politik zu machen. Unterstützung erfährt er von Nicole Höchst, jener Abgeordneten, die Kanzlerin Merkel mit Adolf Hitler vergleicht und Sexualaufklärung unter „Angriff auf Kinderseelen“ verbucht. Auch Marcus Frohnmeier, der geflüchtete Menschen pauschal als „Lumpenproletariat Afrikas und des Orients“ diffamierte, will Journalistinnen* aus den Klauen der von oben gesteuerten Mainstream-Maschinerie befreien. Ebenso Joachim Paul, dem vorgeworfen wird, für das NPD-Blättchen „hier & jetzt – radikal rechte Zeitschrift“ geschrieben zu haben.

Es ist eine illustre Runde, die eine Sehnsucht nach der vermeintlichen Wahrheitsfindung herauszukitzeln bestrebt ist. Und dabei vermutlich nichts anderes meint als die eigenen Inhalte oder die der rechtsextremen „PI-News“, die sich teils überschneiden dürften. Doch mit der Rückkehr zur „Wahrheit“ scheint es nicht getan, vielmehr ist ein Spitzeljob an das Programm gekoppelt, auf dass die reuigen „Ins-Reich-Heimkehrerinnen*“ noch schnell ihre Kolleginnen* denunzieren. „Dokumentieren Sie die schlimmsten Lügen und schicken Sie sie…“…an Bystron Et al.

AfD sucht „Mainstream-Aussteiger“ - Nur zu!

Worin besteht jedoch konkret die Möglichkeit zum Ausstieg? Winkt ein Job in einer AfD-Pressestelle? Womöglich als Ghostwriter? Bei der „Jungen Freiheit“ oder wenigstens bei „Compact“? Oder sollen nicht vielmehr die Medien mit AfD-Inhalten geflutet werden, auf dass sich das Hetzpotential auf ein Maximum erhöhe?

Es ist immer die gleiche Leier. Die Rechten trompeten alles platt, was irgendetwas mit moderner und multikultureller Zivilgesellschaft zu tun hat, und unterschlagen dabei, dass sie dies selbst längst im so verhassten Mainstream und mit freundlicher Unterstützung desselben praktizieren.

„Werdet Mainstream-Aussteiger“ erhält aus dieser Perspektive einen neuen Interpretationsspielraum. Insofern an alle AfD-Politikerinnen* von der ersten bis zur achtundachtzigsten Reihe: Trauen Sie sich, steigen Sie aus. Danach werden Sie sich besser fühlen und die Qualität der Lügenmedien verbessern. Ganz bestimmt.

* Männer sind an dieser Stelle mitgemeint

Von Katja Thorwarth

Die AfD in Frankfurt geht derweil mit einem Anwalt gegen ein antirassistisches Schild vor. Es trägt die Aufschrift „Respekt! Kein Platz für Rassismus“ und hängt am Frankfurter Römer. Nach AfD-Streit und Rücktrittsforderungen soll Feuerwehr-Verbandspräsident Hartmut Ziebs nur noch bis April 2020 im Amt bleiben.

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