+
Kirchliche Wege — und „synodale“ erst recht — wären nach diesem Verständnis grundsätzlich offene und unabschließbare Wege eines gerechten und gleichberechtigten Miteinanders.

GASTBEITRAG

„Synodaler Weg“: Die Kirche benötigt Reformen, ist aber unfähig dazu

  • schließen

An diesem Sonntag startet der „synodale Weg“, mit dem die katholische Kirche Reformen einleiten will. Aber dass er zu echten Reformen führt, ist sehr unwahrscheinlich.

Vor Reden, in denen Wörter wie „pastoral“, „synodal“ oder „Dialog“ vorkommen, sollte man sich in Acht nehmen. Erst recht vor einem „Weg“ oder „Prozess“ — zumindest in der katholischen Kirche. So steht auch das, was an diesem ersten Adventssonntag als zweijähriger Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland beginnen soll und als „Synodaler Weg“ bezeichnet wird, unter keinem guten Stern.

Das Wort selbst verrät schon die Verlegenheit. Man will gemeinsam sich beraten, doch am Ende entscheiden wieder die Alten, nämlich Bischöfe. Eine herrlich versteckte Tautologie der Macht: Die Kirche ändert sich und sie bleibt, wie sie ist.

Die angekündigten Reformen sind eine reine Absichtserklärung

In dieser Haltung steckt das große Dilemma der katholischen Kirche. Eine in ihren sakralisierten Strukturen unbewegliche Administration will sich auf den Weg machen, kann es aber nicht. Ihr „Weg“ ist reine Absichtserklärung, nicht einmal ein Kurzausflug. Die Fata Morgana einer nur eingebildeten Veränderungsfähigkeit.

Das Tragische ist: In den Luftspiegelungen solcher Wege, Dialoge und Prozesse bleibt bis hin zur Existenzgefährdung alles beim Alten. Das spürt ein Großteil der sogenannten „Laien“, vor allem Frauen, die den Aufbruch wollen: heraus aus den pastoralen Zirkeln in den offenen gesellschaftlichen Raum hinein.

Nach den Skandalen braucht es mehr als mittelmäßige Zugeständnisse

Missbrauchsskandal, Kirchenaustritte, Glaubwürdigkeitskrise — natürlich ringt die katholische Kirche um ihr öffentliches Ansehen. Das aber wird nicht zu reparieren sein durch Reformzugeständnisse im Millimetermaß. Wege wollen in größtmöglicher Freiheit bewältigt werden. Dazu braucht es Orientierungen, öfter auch Begleitung und Ermutigung.

Ludger Verst ist katholischer Theologe und Journalist.

Hier wäre der Ort einer kirchlichen Bewährung. Nicht als Instruktion in geschlossenen Räumen, sondern als Präsenz „an den Hecken und Zäunen“. Dort aber gelten keine für alle gleichermaßen verbindlichen Heilspläne mehr.

Offenheit statt Verschlossenheit ist der richtige Weg

Kirchliche Wege — und „synodale“ erst recht — wären nach diesem Verständnis grundsätzlich offene und unabschließbare Wege eines gerechten und gleichberechtigten Miteinanders, das gerade die einbezieht, die offiziell nicht dazugehören: die Nichtkirchlichen, die moralisch nicht Geduldeten, die von Ämtern Ferngehaltenen und durch Macht Missbrauchten.

Sie sind es, die in der Vision des Jesus von Nazareth nicht nur nicht entbehrlich, sondern als göttliche Begabungen unersetzlich sind.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare